Wien - In der österreichischen Literaturszene läuft derzeit alles rund. Am Wiener Sportclub-Platz findet nämlich seit Freitag die "Doppelpass"-Fußball-Europameisterschaft für Literaten statt. Autoren aus Slowenien, Ungarn, der Schweiz und Österreich zeigen bis 20. Mai ihre ballesterischen Fähigkeiten - darunter prominente Vertreter wie Franzobel, Egyd Gstättner und Peter Zilahy. Für die Österreicher wollte es am ersten Tag aber trotz der intensiven Bemühungen von Erfolgs-Trainer Willy Kaipel nicht so recht klappen.

200 großteils österreichische Fans auf den Tribünen feuerten das Team gegen Slowenien mustergültig an und auch auf dem Feld ging es rund, auch wenn fehlende Abschlussqualitäten augenfällig waren. Kaipel, der den Platz als früherer Sportclub-Trainer bestens kennt, gestikulierte wild am Spielfeldrand. Trotz zweitägigen Trainingslagers und mehreren Testspielen wurde sein Konzept nicht umgesetzt: "Sie wollen zuviel, der Aufbau fehlt", verriet er in der Pause der zwei Mal 30 Minuten Spielzeit. Am Ende ging das Spiel 1:2 verloren.

Für den Kapitän Gerhard Ruiss wohl kein Problem, denn ihm geht es vor allem darum, dass bei derartigen Treffen Kontakte zwischen den Autoren geknüpft werden. So könnten "gemeinsame Wurzeln und Verbindungen zwischen den Nachbarländern aufgespürt werden". Drei Anthologien sind mittlerweile schon aus den Treffen der Autoren entstanden, seit vor zwei Jahren eine Begegnung zwischen Ungarn und Österreich mit 8:2 für unsere östlichen Nachbarn endete. Außerdem hätten Literaten und Fußballer einiges gemeinsam. Beide "sehen ihr Tun als umfassende Lebensweise", die alle Bereiche erfasse, so Ruiss. Und beide kämen oft von sozialen Randpositionen mit der "Chance zum Aufstieg aber auch zum Absturz".

Ruiss erwartet aber vom Turnier auch "guten Fußball" und den Beweis, dass auch Autoren "körperlich existieren". Dennoch sah man statt Doppelpässen eher den einen oder anderen Fehlpass und fluchende Fans auf den Sitzplätzen. Das gilt am wenigsten für das ungarische Team. Die haushohen Turnier-Favoriten schlugen am Freitag die Schweiz klar mit 6:1 und haben mit Péter Zilahy einen sehr guten Kicker am Start, der gleich mehrmals ins Schwarze traf.

Zilahy war auch der Schlüssel zur Literaten-EM. Er war es, der während eines Aufenhalts in Krems erstmals den Kontakt zu österreichischen "Fußball-Literaten" schaffte, erzählte Autor und Kulturmanager Reinhard Prenn am Rande des Turniers. In der Folge kam es zum österreichischen Debakel gegen Ungarn, aber auch zur ernsthaften Planung der EM. Eigentlich sei ein Turnier mit acht Nachbarländern geplant gewesen. Daraus wurde aus Geldmangel aber schließlich nur ein Vier-Länder-Wettkampf.

Dennoch war das Publikum am Freitag zufrieden. Allen voran Ex-ÖFB-Präsident Beppo Mauhart, der sich auf der Ehrentribüne einfand. Im gefiel es gut, dass "Kunst und Fußball zusammengefunden haben." Deutschland hätte es vorgemacht, aber Österreich sei es nun als erstes gelungen, eine gewöhnliche und eine Literaten-EM auszutragen, machte Mauhart Werbung für die EURO-Kulturschiene. Manchen war es freilich auch zu wenig. Ein Zuschauer bemängelte, dass keine Bücherstände mit Werken der Fußball spielenden Literaten gab. Immerhin sehe man den meisten doch an, "dass sie mehr Bücher schreiben, als Fußball trainieren". Vielleicht hätte er zu einer der Lesungen gehen sollen die im Rahmen der Literaten-EM stattfanden und noch stattfinden werden. Etwa bei der "langen Lesenacht" im Künstlerhaus, die Samstag Abend um 19.30 Uhr begann. Zwei weitere Spieltage (Sonntag und Dienstag) stehen noch am Sportclub-Platz auf dem Programm. (APA)