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Herzog (39), 103facher Teamspieler, zählt zum Betreuerstab des ÖFB.

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Standard: Bedauern Sie den Rücktritt von Oliver Kahn?

Herzog: Nein. Irgendwann kommt die Zeit, da muss jeder Fußballer durch. Egal, ob er Weltklasse oder Durchschnitt ist. Bei Kahn trifft natürlich Weltklasse zu, absolute.

Standard: Was zeichnete ihn aus?

Herzog: Er war ein Besessener, ein Leader, konnte mitreißen. Für mich war er überehrgeizig. Aber wahrscheinlich muss man so sein, um so weit zu kommen.

Standard: Als Sie 1995/96 bei Bayern kickten, gab es ein berühmte Szene. Im Spiel gegen Stuttgart wurden Sie von Kahn nach einem Fehlpass attackiert. Wie präsent ist dieser Vorfall noch?

Herzog: Eigentlich ist das Schnee von gestern. Aber durch den Rücktritt haben ein Dutzend Journalisten aus Deutschland angerufen. Und so musste ich darüber erzählen, obwohl mir die Geschichte heute völlig wurscht ist. Damals hat sie weh getan. Nicht körperlich, seelisch. Da rennt einer wie wild auf dich zu und beutelt dich durch. Gut, er hat das oder Ähnliches in seiner Karriere bei sieben anderen auch gemacht. Aber die waren wenigstens Gegner. Ich war der einzige Mitspieler, den er öffentlich durchgeschüttelt hat. Das ist fast eine Ehre, aber nur fast. Ich habe nie in meinem Leben irgendwen gebeutelt. Manche Dinge soll man nicht tun.

Standard: Hat sich Kahn jemals entschuldigt?

Herzog: Ja, knapp danach, beiläufig. Er hat mir zugeredet, es eine zweite Saison bei den Bayern zu versuchen. Ich wollte aber nicht.

Standard: Pflegen Sie Kontakt?

Herzog: Nein. Man trifft sich höchstens zufällig. Da sagt man dann: Hallo! Wie geht's?