Rangun/New York/Paris/Singapur - Nach wochenlangem Zögern der Militärjunta in Burma nimmt die Hilfe für die Opfer des verheerenden Zyklons langsam Form an. Die UNO und die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) kündigten eine internationale Geberkonferenz für Sonntag in Rangun an. Frankreich kritisierte die Konferenz als weitere Verzögerung der Hilfeleistungen, sagte aber seine Teilnahme zu. UN-Hilfskoordinator John Holmes gelangte unterdessen erstmals in die Katastrophengebiete. Auch Junta-Chef Than Shwe reiste am Montag zum ersten Mal in das verwüstete Irawadi-Delta.

Dem Einlenken der burmesischen Regierung war ein Treffen der ASEAN-Staaten in Singapur vorausgegangen. Singapurs Außenminister George Yeo wertete das Treffen als Erfolg. Künftig dürften die ASEAN-Staaten die ausländische Hilfe koordinieren, sagte er während des Treffens, an dem auch Burmas Außenminister Nyan Win teilnahm.

Dieser habe die benötigte Hilfe auf rund zehn Milliarden Dollar beziffert. Yeo betonte, Burma werde nur Hilfe akzeptieren, die nicht zu politischen Zwecken missbraucht werde. Es werde keinen "unkontrollierten Zugang ausländischer Helfer" in das Land geben, bekräftigte der ASEAN-Vorsitzende.

UNO will Widerstand brechen

Die Vereinten Nationen wollen den Widerstand der burmesischen Militärjunta gegen den Einsatz von ausländischen Helfern zur Versorgung der Zyklon-Opfer durch einen Besuch von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon in dem südostasiatischen Land brechen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat den Weltsicherheitsrat aufgefordert, auch gegen den Willen der Militärmachthaber der notleidenden Bevölkerung Hilfe zu leisten. Vor der burmesischen Küste kreuzen französische, amerikanische und britische Kriegsschiffe mit Hunderten Tonnen Hilfsgütern und mit Ärzteteams an Bord. Mit Hubschraubern könnten sie das vom Wirbelsturm "Nargis"am schwersten betroffene Irrawaddy-Delta in einer halben Stunde erreichen, haben aber keine Erlaubnis zu helfen.

Kritik an geplanter Geberkonferenz

Frankreich hat die Ankündigung einer Geberkonferenz für die Katastrophenopfer durch die Junta kritisiert. "Es braucht Hilfe von Hand zu Hand und von Herz zu Herz und keine Geberkonferenz mit Katzbuckeln", sagte Kouchner am Montag im Radiosender Europe 1. Das Regime wolle die Geberkonferenz Ende des Monats abhalten, "und bis dahin sterben die Menschen". Die Junta mache sich der "unterlassenen Hilfeleistung" für Menschen in Gefahr schuldig, schrieb Kouchner in einem Beitrag für die Pariser Zeitung "Le Monde" (Dienstag-Ausgabe). "Der Sicherheitsrat kann ein Einschreiten beschließen, damit die Hilfe durchkommt." Kouchner, Gründer der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF), verwies auf Beispiele wie in Bosnien-Herzegowina, Ruanda oder der kroatischen Adriastadt Dubrovnik, wo die Vereinten Nationen Hilfskorridore eingerichtet hatten. China hat allerdings bisher als Vetomacht im Weltsicherheitsrat eine Verurteilung der schweren Menschenrechtsverstöße der burmesischen Machthaber stets konsequent verhindert.

Das Recht auf Nahrung, Medikamente und ärztliche Versorgung sei ein von den Vereinten Nationen anerkanntes Menschenrecht, das gegenüber der burmesischen Regierung eingeklagt werden könne, schrieb Kouchner. Die "Moral der extremen Not" erfordere, dass diese Norm im Falle Burmas Anwendung finde. Handelten die Mitglieder des Sicherheitsrates nicht, machten sie sich der Feigheit schuldig. In bilateralen Diskussionen in New York, die seit mehreren Tagen geführt würden, werde dem Schutz der nationalen Souveränität mehr Gewicht als dem Schutz des Lebens gegeben. "Wenn wir den angekündigten Tod von tausenden neuen Opfern anprangern, wirft man uns die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates vor", klagte der französische Außenminister.

Ob UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon mit Juntachef General Than Shwe zusammentreffen wird, ist noch unklar, sagte eine Sprecherin des UNO-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) am Montag in Bangkok. "Wir wissen nicht, wen er treffen wird", sagte Amanda Pitt. (APA/dpa/AP/AFP/ag.)