Grafik: Standard
Wien - Das Geheimnis um die zwei Nachbesetzungen im Aufsichtsrat der Telekom Austria (TA) ist gelüftet: Statt Ex-Verbundchef Hans Haider und Wolfgang C. Berndt werden heute, Dienstag, in der Hauptversammlung (HV) FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth-Stadlhuber (war einst im Kabinett von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein) und Mondi-Vorstandschef Peter Oswald in den Aufsichtsrat gewählt.

Da die ÖIAG mit 27,37 Prozent mit Abstand größter Aktionär der TA ist, dürfen die beiden Kandidaten mit hoher Zustimmung rechnen - obwohl die zwei keine nennenswerte Telekom-Expertise mitbringen, wie TA-Aktionäre kritisch anmerken. Als sicher gilt auch die Wiederwahl von Bawag-Vizechef Stephan Koren, Investkredit-Chef Wilfried Stadler, Arcor-Chef Harald Stöber, Rechtsanwältin Edith Hlawati und ÖIAG-Konsulent Rainer Wieltsch. Letzterer muss sich auch künftig nicht mit den Tantiemen eines einfachen TA-Aufsichtsratsmitglieds begnügen, er wird auch in seiner Funktion als ÖIAG-Konsulent verlängert. Weil, wie ÖIAG-Funktionäre dem Standard bestätigen, ÖIAG-Alleinvorstand Peter Michaelis großen Wert auf Wieltschs Expertise lege.

Auf geteilte Zustimmung stößt hingegen nach wie vor die von TA-Management und ÖIAG geplante TA-Zerschlagung in zwei börsennotierte Unternehmen für Mobilfunk (Mobilkom Austria) und Festnetz (Telekom Austria TA AG). Diese von TA-Vizepräsidentin Hlawati maßgeblich gestalteten (und vom Standard aufgedeckten) Pläne sollten ursprünglich erst nach der HV publik und in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung im Spätsommer fixiert werden.

Es spießt sich allerdings vor allem an der Zustimmung zur Beamtenagentur, die Grundbedingung für eine Konzernteilung. Sie wird vom Betriebsrat ebenso vehement bekämpft, wie sie Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter (SPÖ) als "Mistküberl" ablehnt. Er kann sich allerdings vorstellen, dass die ÖIAG - und somit der Steuerzahler - die für den Breitbandnetzausbau zuständigen Bereiche übernimmt. Das Problem: Die 2500 Stellen fallen nicht wegen des Glasfaserausbaus weg, sondern bereits vorher.

Fraglich ist, ob das TA-Festnetz beim Breitbandausbau tatsächlich Staatszuschüsse braucht. Es wurde seit dem Börsengang nämlich nicht ausgehungert, indem 3,3 Milliarden Euro Cashflow in den Handyausbau flossen, wie Festnetzchef Rudolf Fischer stets beklagt. Ein Blick in die Bilanzen zeigt, dass seit 1999 ins Festnetz 3,95 Milliarden Euro investiert wurden, die Mobilkom aber nur 3,5 Mrd. Euro an Anlagenzugängen verzeichnete (siehe Grafik) - obwohl sie im Ausland massiv expandiert ist. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2008)