Wien – Es waren alle Bundespräsidenten, fast alle Kanzler, Kardinäle, jede Menge Minister, Parteiführer, Banker, Industrielle, Künstler, Vertreter von Adel und Hochadel bei ihr zu Gast. Dr. Elisabeth Gräfin zu Hardegg auf Glatz und im Machlande, wie ihr Titel in der Todesanzeige geführt wird, unterhielt den letzten „politischen Salon“ in Wien.

Ein gutes Vierteljahrhundert lang, wobei in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen die Gelegenheiten seltener wurden. Nun ist Elisabeth Hardegg im 87. Lebensjahr verstorben. Sie vereinigte äußerste Liebenswürdigkeit mit Bescheidenheit und internationalen Connections, die sie als Generalsekretärin der Unicef Österreich über 40 Jahre ausgebaut hatte. Ausländische Botschafter gaben anreisenden Politikern den Rat, für den besten Querschnitt durch die Republik zur Gräfin Hardegg zu gehen.

Zu den Abenden in der Neubauwohnung im achten Wiener Bezirk lud die promovierte Historikerin Leute aus dem ganzen politischen und gesellschaftlichen Spektrum ein. Zu häufig anzutreffenden Gästen gehörten etwa Hannes Androsch, Herbert Krejci, Christian Konrad, Gerhard Randa und Heinrich Treichl aus der Wirtschaft, Franz Kardinal König, der Verleger Fritz Molden, der damalige Kulturminister Rudolf Scholten, die Maler Max Weiler und Rudolf Hausner, Bundestheater-Chef Georg Springer, Karl Schwarzenberg, die Historikern Brigitte Hamann und praktisch die gesamte Republik. Über allem stand ihr gnadenloser Wille zum Zusammenbringen von teilweise höchst unterschiedlichen Leuten: „Meine Leistung ist es, im Hintergrund die Verbindungen zu machen.“ (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2008)