Bild nicht mehr verfügbar.

Ein Schal für die Ministerin.

Foto: reuters
Berlin/Wien – Zum Ende seiner viertägigen Deutschland-Reise gelang es dem Dalai Lama doch noch, einem Mitglied der deutschen Bundesregierung den traditionellen weißen Seidenschal aus Tibet umzulegen: Die Kata ging am Montag an die „rote Heidi“ – an Entwicklungshilfeministerin Heidemarie-Wieczorek-Zeul (SPD). Sie ist das einzige deutsche Regierungsmitglied, das das Exil-Oberhaupt der Tibeter empfing – zwar nicht in ihrem Ministerium, aber doch in Berlins Nobelhotel Adlon.

„Sehr gut“ und „fruchtbar“ nannte die zum linken SPD-Flügel zählende Wieczorek-Zeul das 45-minütige Gespräch. Sie sagte dem Dalai Lama Unterstützung im Bemühen um die kulturelle Autonomie Tibets zu und machte deutlich, dass die deutsche Regierung den Dialog zwischen Tibet und China unterstütze. Wann die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen wieder aufgenommen werden, ließ Wieczorek-Zeul offen. Diese hatte Berlin im März, am Höhepunkt der Gewalt gegen Tibet, ausgesetzt. Für den Dalai Lama fand Wieczorek-Zeul lobende Worte: „Die Welt braucht Persönlichkeiten, die den Gedanken von Frieden und Gerechtigkeit verkörpern und auch dafür einstehen.“

Die Ministerin verteidigte das Gespräch mit dem Dalai Lama auch gegen Kritik aus ihrer eigenen Partei: „Ich finde, das wird weder den Menschen in den betroffenen Regionen gerecht noch der Persönlichkeit des Dalai Lama.“ Außerdem machte sie deutlich, dass sie den Friedensnobelpreisträger sehr wohl als Mitglied der Bundesregierung empfangen habe – und nicht bloß als Privatperson.

Diese Interpretation des Treffens war zuvor von SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow ausgegeben worden. Denn seiner Meinung nach „erschwert Wieczorek-Zeul dem Außenminister etwas das Handwerk“. Frank-Walter Steinmeier (SPD), Vizekanzler und Außenminister, hatte sich ja geweigert, den Dalai Lama zu empfangen.

Beck spricht von „Scheiß“

Wieczorek-Zeul hatte den Außenminister auch nicht über ihre Absicht, den Dalai Lama zu treffen, informiert, was nicht nur Steinmeier selbst, sondern auch SPD-Chef Kurt Beck erboste. Dieser beklagte sich daraufhin laut Medienberichten bei einer Wahlkampf-Veranstaltung in Schleswig-Holstein beim dortigen SPD-Landeschef Ralf Stegner, dass „der Scheiß ja nicht mehr rückgängig zu machen“ gewesen sei, als er, Beck, dann endlich von dem geplanten Treffen in Kenntnis gesetzt wurde. Kritik für diese Aussage kommt von der Union. „Diese Einlassungen sind einfach unwürdig“, sagt CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Auf die Frage, wie er den SPD-Streit um den Dalai Lama beurteilte, verwies Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Montag in Wien auf sein Treffen mit dem Dalai Lama im Herbst und erklärte: „Ich lasse mir weder von Washington, Peking oder Moskau vorschreiben, wen ich treffe.“ (bau/ DER STANDARD Printausgabe, 20.5.2008)