Eigenwillige Freaks in "The Goode Family": Die Erfinder von "Beavis and Butthead" veralbern Öko-Begeisterung der US-Amerikaner.

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Sechs Millionen Zuschauer verlieren die amerikanischen TV-Sender 2007 im Schnitt zum Vorjahr im Hauptabendprogramm. Nach den Gründen muss man nicht lange suchen:

Während des Autorenstreiks vergangenen Winter suchte das Publikum in Scharen das Weite. Neue Angebote wie Video-on-Demand, Festplattenrekorder oder Videostreams im Internet erlebten einen beispiellosen Aufschwung - während die US-Fernsehbranche nach Jahren, in denen sie fast nichts falsch machen konnte, plötzlich in der Quoten- und Sinnkrise steckt.

Erfolgsgaranten wie "CSI" oder "House" weisen stark schwankenden Zuspruch auf. Eingeführtes wie "Lost" floppt ebenso wie Neues, zum Beispiel "Women's Murder Club". Der Warner-Sender CW steht darob überhaupt vor dem Aus.

Wiederbelebtes dominiert

Die Upfronts, jährliche Programmmesse für Anzeigenkunden in Los Angeles, machten das Dilemma deutlich. Serienhits wie "Sex and the City", "Lost", "CSI" und "Grey's Anatomy" sind nicht in Sicht, stattdessen dominiert Wiederbelebtes.

Schnöselige Teenager in Beverly Hills begeisterten Pubertierende in den 1990er-Jahren, 90210 kommt in neuer Besetzung zurück. Das sprechende Auto Kitt fährt in Knight Rider wieder, mit verjüngtem Hasselhoff-Pendant Justin Bruening. ABC bringt die von NBC begonnene Ärzteserie Scrubs zum Ende. Nach dem Vorbild aus Großbritannien sieht sich ein Polizist in Life on Mars in die 70er-Jahre versetzt. Britischer Krimi war auch Eleventh Hour, wo ein Wissenschafter Verschwörungen aufklärt.

Kreative Adaptionen historischer Stoffe bringen Merlin, Kings (über König David) und Crusoe. Letztere macht aus dem Einsiedler einen findigen MacGyver. Die Liste Verflossener geht Elizabeth Reaser in The Ex-List durch, ihren weisgesagten Traummann soll sie schon einmal getroffen haben.

"Sylista" und Mystery

In The Goode Family veralbern die Erfinder von "Beavis and Butthead" übertriebenes Öko-Bewusstsein. Große Namen fehlen fast ganz, lediglich Christian Slater bereichert die Drama-Serie "My Own Worst Enemy". Cleveland und Sit Down, Shut Up bringen Späße in Zeichentrick.

Unter Reality-Produktionen sticht "Stylista" hervor: Elf Nachwuchsjournalistinnen lassen sich von einer Elle-Redakteurin ausbilden. Am ehesten wagen sich Sender noch an Mystery: Horror erleben Inselbewohner auf Harper's Island. The Listener, The Mentalist, Fringe, Dollhouse zeigen neue, sanfte Helden mit besonderen Fähigkeiten. Und wirkt fast wie eine Projektion: So jemanden bräuchte die Branche dringend. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 20.5.2008)