Zur Bewältigung der akuten Müllkrise in Neapel sind am heutigen Dienstag erneut Zugtransporte nach Deutschland angerollt. 30.000 Tonnen Unrat sollen in Deutschland entsorgt werden. In den vergangenen Tagen hatten die neapolitanischen Behörden aus Kostengründen die Mülltransporte ins Ausland gestoppt. Die Entsorgung einer Tonne Abfall im Ausland kostet den öffentlichen Kassen 250 Euro.

Die italienische Regierung setzt mittlerweile das Militär ein, um den Müllnotstand zu bewältigen. Über 300 Soldaten sind an der Arbeit, um Tonnen von Unrat zu entfernen, die sich auf den Straßen der Region türmen. Wütende Bürger setzten trotz der Appelle der Behörden abermals Abfallberge in Brand. "Wir können so nicht mehr weiterleben", sagte der Sprecher eines lokalen Komitees, der den sofortigen Rücktritt der neapolitanischen Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino verlangte.

Organisierte Kriminalität

Die Bürgermeisterin will aber davon nichts wissen. "Hinter den Bränden steckt die organisierte Kriminalität. Ich kann nicht glauben, dass normale Bürger für die Brände verantwortlich sind. Das Feuer wird über Nacht systematisch in der ganzen Stadt gelegt. Die einzige Erklärung ist, dass dahinter ein Plan des organisierten Verbrechens steckt, um die Stadt zu destabilisieren", meinte die Bürgermeisterin.

In dieser gespannten Atmosphäre fiebert Neapel der morgen, Mittwoch, geplanten Ministerratsitzung unter der Leitung von Silvio Berlusconi entgegen. Es handelt sich um die erste Ministerratsitzung, die seit der Gründung der italienischen Republik in der Vesuvstadt stattfindet. Berlusconi will der Regierung in Neapel einen Plan in drei Punkten zur Bewältigung der Müllkrise vorlegen. Dieser sieht die Eröffnung von zehn neuen Mülldeponien vor, die nicht nur im Raum Kampaniens liegen. Hinzu soll der bereits begonnene Bau der Verbrennungsanlage in Acerra beschleunigt werden. Weitere drei Anlagen sollen in den nächsten Jahren entstehen.

Das Militär soll die Straßen Neapels vom Müll befreien, bevor sommerliche Temperaturen zu einer Notstandssituation für die öffentliche Gesundheit führen. Berlusconi will deshalb das Mandat des Regierungskommissars Gianni De Gennaro verlängern. (APA)