Mit dem Auslaufen der Berichtsperiode für die Unternehmen richtet sich der Fokus der Anleger einerseits wieder auf die realwirtschaftlichen Daten. Andererseits dauert es nun nicht mehr lang, bis die Investmentbanken Mitte Juni wieder Zahlen vorlegen werden.

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In der ersten Mai-Hälfte konnte die Wall Street die Erholung, die im März mit der Rettung von Bear Stearns durch JP Morgan eingesetzt hatte, weiter fortsetzen. In den letzten vier Wochen sind die großen US Indizes zwischen 1 Prozent (Dow Jones) und 5 Prozent (Nasdaq) im Plus. Seit dem Beginn des zweiten Quartals fallen die Anstiege noch deutlicher aus, so hat die technologielastige Nasdaq seit dem 1. April mehr als 10 % zugelegt. Angeschoben wurde die Entwicklung sicher auch durch die Zinspolitik der Fed, die seit dem Spätsommer des Vorjahres sieben Zinssenkungen durchgeführt hat. Der volkswirtschaftliche Datenkranz zeichnet sich vor allem durch Uneinheitlichkeit aus. Während die Umfrage der Notenbank in Philadelphia über den Erwartungen lag, fiel jene in New York eher schwach aus. Positiv waren die rückläufigen Lagerbestände, allerdings fielen auch Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung zurück. Gegenwärtig ist noch offen, wie sich die seit Anfang Mai ausgeschickten Steuerschecks auf das Konsumverhalten auswirken werden, und ob nicht der Löwenanteil der Summe zur Abdeckung von Verbindlichkeiten verwendet wird.

Zu den Belastungsfaktoren zählt sicher in erster Linie der Ölpreis, der aktuell nur mehr unwesentlich von der Marke von 130 Dollar entfernt ist. In den letzten beiden Monaten betrug der Anstieg bei Öl satte 25 %, was sich punktuell auf einige Umfragen unter US Verbrauchern niederschlug. Der von der University of Michigan erhobene Index fiel auf den tiefsten Stand seit 28 Jahren.

Erleichterung am Markt

Bei den Unternehmensergebnissen müsste jetzt, da die Zahlen für das 1. Quartal fast vollständig vorliegen, das Motto eigentlich lauten „so weit so gut“. Die Finanzdienstleister mussten einen Gewinnrückgang von rund 80 % verkraften, aber das war mehr oder weniger so erwartet worden, und somit zeigte sich der Markt eher erleichtert darüber, dass es nicht noch wesentlich schlimmer gekommen war. Ohne Finanztitel wären die Gewinne im S&P 500 im 1. Quartal um 8,3 % gestiegen, und dieser Umstand sorgte allgemein für positive Resonanz. Bei den Sektoren zeigen die Rohstoffwerte weiterhin Stärke. Bester Wert im Dow in den letzten vier Wochen war Alcoa, die als möglicher Übernahmekandidat für Rio Tinto gelten. Aber auch die Technologie gibt wieder ein kräftiges Lebenszeichen. So gehen die Gespräche bei Microsoft und Yahoo anscheinend in die nächste Runde. Sowohl eine Übernahme als auch eine enge Allianz gegen Google stehen aktuell im Raum. Ebenfalls auf Shopping-Tour ist derzeit Hewlett-Packard. Der Computerriese kündigte zuletzt die Übernahme von Mitbewerber EDS an.

Nach der jüngsten Kurserholung steigt nun natürlich die Gefahr einer zwischenzeitlichen Konsolidierung. Im Moment ist sich der Markt noch absolut nicht im Klaren darüber, wie er die aktuelle Lage bewerten soll und wie groß die Gefahr eines neuerlichen Kursrückschlags ist. Mit dem Auslaufen der Berichtsperiode für die Unternehmen richtet sich der Fokus der Anleger einerseits wieder auf die realwirtschaftlichen Daten. Andererseits dauert es nun nicht mehr lang, bis die Investmentbanken Mitte Juni wieder Zahlen vorlegen werden. Im Moment halten wir eine völlige Entwarnung noch für verfrüht und weisen weiterhin darauf hin, dass die Phase der Volatilität unserer Meinung nach noch nicht ganz ausgestanden ist.