Keine Angst vor Aut idem. Mit dieser Botschaft wollen die ApothekerInnen ihre Kundschaft beruhigen. Die neue Regelung werde zwar die Apotheken leicht belasten, im Sinne der Krankenkassen und somit der PatientInnen nehme man das aber in Kauf.

"Wir verdienen nicht"

Derzeit ist laut Heinrich Burggasser, Präsident der Apothekerkammer, jede fünfte Packung in den Regalen der Apotheken ein Generikum. Im Vergleich mit Ländern, wo die Aut idem-Regelung bereits Realität ist, ist das gering. So beträgt der Generikaanteil in Litauen 78 Prozent. Europaweit verschreiben in mittlerweile 17 Ländern die ApothekerInnen die Medikamente.

"Wir verdienen an der Regelung nicht", betont Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Apothekerkammer. Im Gegenteil: Die Apotheken müssten sogar mit leichten Umsatzrückgängen rechnen, die aber durchaus verkraftbar seien. Sollte es Rabatte von der Pharmaindustrie geben, so würde die laut Schmudermaier nur der Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Anspruch nehmen. "Denn die Kassen brauchen es ja", so der Vizepräsident.

Theoretisches Sparpotenzial: 100 Millionen

Auch die Annahme, die Apotheken dürften nur das billigste Produkt verkaufen, stimme nicht ganz. "Es wird eine Preisspanne geben, innerhalb der wir auswählen können", erklärt Schmudermaier. Es sei durchaus möglich, dass sich auch das Originalmedikament neben den Generika in diese Preisspanne befindet. Die Preisunterschiede zwischen Original und Generikum sind dabei sehr unterschiedlich. Als Extrembeispiel nennt die Apothekenkammer den Lipidsenker Simvastatin: Hier ist das günstigste Generikum um fast die Hälfte billiger als das Original.

35 Millionen Euro sollen sich die Krankenkassen durch die Aut idem-Regelung ersparen, wie das Österreichische Bundesinstituts für Gesundheitswesen errechnet hat. Die Apothekenkammer habe diese Studie selbst noch nicht zu Gesicht bekommen, gibt Schmudermaier zu, die Summe sei dennoch realistisch. "Theoretisch wären sogar 100 Millionen Euro möglich. Geht man davon aus, dass es immer wieder Ausnahmen geben wird, so ist das angegebene Sparpotenzial sicher erreichbar", meint der Vizepräsident.

Kleine Summen für großen Effekt

"Dieser Betrag kann die Krankenkassen sicher nicht sanieren", ergänzt Präsident Burggasser. Dennoch ist er optimistisch, dass sich die Änderung auszahlen wird: "Mehrere kleine Summen machen eine große Summe, und die ist schließlich ausschlaggebend."

"Wir wissen schon, was wir tun", beschwichtigt Präsidiumsmitglied Max Wellan die Aufregung um die geplante Änderung bei der Arzneiverschreibung. Immerhin kennen die ApothekerInnen nicht nur die Medikamente selbst, sondern auch den Medikamentenmarkt sehr gut. Die Beratung zu Generika finde schon jetzt statt, Umstellungen auf andere Medikamente seien im Apothekenalltag auch nichts Neues. Ein Chaos erwartet sich die Apothekenkammer nicht, zumindest nicht von Seiten der Apotheken: "Wir bereiten uns professionell vor und setzen auch professionell um", versichert Wellan. (lis/derStandard.at, 20. Mai 2008)