Der Angeklagte Helmut O. hat Dienstagmittag das Gutachten von Gerichtsmediziner Christian Reiter scharf kritisiert und für falsch befunden. Durch eigene Berechnungen meint der Beschuldigte herausgefunden zu haben, dass sich der Gutachter in seiner Expertise selbst widerspreche. Reiter wies diese Vorwürfe zurück.

Mit ziemlich ausschweifenden Berechnungen kam Helmut O. zu der Annahme, dass es theoretisch nur möglich sei, maximal 500 Milligramm Strychnin in ein Mon Cheri zu injizieren. Reiter habe sich aber nicht widersprochen, erläuterte der chemische Sachverständige Günter Gmeiner. Die vermutlich 700 Milligramm in der Praline seien Annahmen via Berechnungen über den Harn, als Grundlage dazu diene Literatur.

"Bitte, bei mir geht's um lebenslänglich"

Es gehe hier aber nicht um 700, 710 oder 680 Milligramm Strychnin. Selbst 500 Milligramm Strychnin seien eine "mehrfach tödliche Dosis", so Reiter. Helmut O. gab sich dennoch nicht zufrieden und attestierte Reiter neuerlich ein falsches Gutachten. Das brachte dem Angeklagten eine Verwarnung ein, die dieser mit den Worten "bitte, bei mir geht's um lebenslänglich" kommentierte.

Helmut O. war sichtlich bemüht, mittels Zetteln und mehrfachen Berechnungen zu erklären ("Kriegt das die Presse hinter mir eh mit?"), dass sich in dem Mon Cheri weniger Strychnin befunden habe als von Reiter angeführt. Die Erklärungen des Beschuldigten mündeten nicht in Fragen, sondern glichen vielmehr einem Monolog.

Schließlich wurde es auch Richterin Ingeborg Kristen zu viel: "Es geht nicht, dass Sie ihr Halbwissen einbringen und versuchen, ein Gutachten zu widerlegen." Dieses sei schlüssig. "So werden wir das nicht weiterspielen", stellte die Richterin klar und forderte den Angeklagten auf, nur solche Fragen zu stellen, "die Hand und Fuß haben". (APA)