Aber Vorsicht: Kaum ein Handy ist spritzwasserfest!

Foto: Typemuseum
+++Pro Von Markus Mittringer Ja wo bitte soll man denn sonst telefonieren? Im Flieger darf man nicht, und im Büro hört dauernd jemand mit. Und also bleibt: das Klo! Am besten eines im Zug, weil man dort auch noch in aller Ruhe rauchen und etwaige auftretende Verstörgeräusche den Bundesbahnen in die Schuhe schieben kann - das ist jedenfalls glaubwürdig, und bei einem Unternehmen, das im Interesse des Kunden den Empfang im Speisewagen überhaupt nicht und jenen in den restlichen Waggons nur im Interesse eines Netzbetreibers unterstützt, auch uneingeschränkt angebracht. Und außerdem, egal ob am privaten oder am öffentlich verkehrenden mobilen Abort: Es ist einfach total schön, wenn man aus dem Off hört, dass seinem Gesprächspartner das eben Mitgeteilte gerade total erleichtert. Und abgelenkt wird man auch nicht: Keinen E-Mail-Eingang gibt es nebenher zu checken, kein Fernsehprogramm will nebengeschäftlich verfolgt werden, und auch kein Kühlschrank buhlt dort um Aufmerksamkeit. Aber Vorsicht: Kaum ein Handy ist mehr spritzwasserfest.
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Contra--- Von Tanja Paar Schanghai im Jahr 1998. Die Stadt liegt unter einer dichten Smogdecke, nur die Lichter der Lobby des nagelneuen Fünfsternehotels verheißen nonchalant den ultimativen Luxus - der in einem Telefonapparat auf der Toilette der Suite gipfelt. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen! Da eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten: Den Lieben daheim die unter der Smogdecke vermuteten Schönheiten der Stadt vom Lokus aus beschreiben, Ham and Eggs beim Room-Service bestellen und dabei sitzen bleiben - verwegen! Es war das bloße Potenzial, das da verzauberte. Heute, da bereits Schulkindern der Gebrauch einer Telefonzelle im Geschichtsunterricht nahegebracht werden muss und das Mitanhören von Menüvorschlägen in Straßenbahn, Supermarkt und Sonntagsgottesdiensten selbstverständlich geworden ist, ja, da kann nur die Toilette die geschützte Werkstätte des Schweigens sein, das Allerheiligste der Unerreichbarkeit, das Calefaktorium der inneren Wärme, die sich allein aus dem Mobilfunkverzicht speist. Amen. (Der Standard/rondo/23/05/2008)