Zur Klarstellung: Apotheker verschreiben keine Wirkstoffe! Wir tauschen, wenn man so will, ein Präparat (Generikum) gegen ein anderes aus, wenn es die Politik (Hauptverband) gesetzlich so vorschreibt!

Apotheker verschreiben auch keine günstigeren Wirkstoffe! Das würde ja bedeuten, der Arzt verordnet einen Wirkstoff, und wir würden einen anderen Wirkstoff aussuchen! Der Patient bekommt von uns immer den gleichen Wirkstoff, wie ihn der Arzt verordnet.

Die Ärzte könnten ja ohnehin selber die billigen Produkte verschreiben. Sie tun es aber anscheinend nicht! Als ich vor vier Jahren meinen Wohnsitz von Wien nach Oberösterreich verlegt habe, ist mir richtig bewusst geworden, warum die OÖGKK am besten wirtschaftet. Hier besteht schon seit Jahren ein (sanfter) Druck auf die Ärzte, Generika zu verschreiben. Ich habe damals Generika kennengelernt, von denen ich in Wien kaum wusste, dass es sie überhaupt gibt.

Fragt sich eigentlich niemand, warum es für die Ärzte problematisch ist, ihre Leistungen auch gegenüber dem Patienten mittels Rechnung nachzuweisen? Wer nichts zu verbergen hat, wie nachzulesen ist, sollte doch mit Leichtigkeit per EDV eine Rechnung zusammenbringen, die ja ohnehin auch für die Verrechnung mit der Krankenkasse notwendig ist. Man bekommt sie ja als Privatpatient auch ausgestellt und wundert sich oft, was die Leistungen so alles kosten. Mehr Bewusstsein bezüglich des angeschlagenen Gesundheitssystems kann doch nicht von Nachteil sein!

Mir ist natürlich bewusst, dass es auch hier (wie überall) um (viel) Geld geht. Dass aber Veränderungen notwendig sind, sollten alle Beteiligten einsehen. Derzeit herrscht aufgrund diverser Aussagen nur eine große Verunsicherung bei den Patienten. Ich hoffe sehr, dass bald wieder Ruhe einkehrt, um ein konzentriertes Arbeiten für die Patienten zu gewährleisten.

(von Roland Fragner, Apotheker in 4713 Gallspach, OÖ)

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Vor der geplanten Gesundheitsreform befällt mich ein ungutes Gefühl. Der Bevölkerung wird weisgemacht, dass die Regierung die Systeme in ihrem Interesse sichern will.

Ja, die Kosten explodieren, weil jene, die Zugang zu diesen Systemen haben, sie bis zum letzten ausreizen und für sich nutzen. Die Jungen aber bekommen überhaupt in verminderterem Ausmaß Zugang zu diesen Systemen, zum Beispiel durch Werkverträge.

Was mir noch bedenklicher erscheint, ist der Krämergeist, der in der geplanten Reform herrscht. Hier hatte nur mehr die Wirtschaft und als Anhängsel die Gewerkschaft, die ja auch direkt mit der Wirtschaft zu tun hat, etwas zu bestimmen. Die Ärzte wurden von den Überlegungen völlig ausgeschaltet.

Die geplante Gesundheitsreform soll zwar solidarisch nach außen wirken, aber sie ist insoweit unsolidarisch, als alle besonnenen Menschen weniger von den Krankenkassen zu erwarten haben, weil diese eben sparen müssen, weil andere die Kassen voll belasten mit allen möglichen privaten "Hobbys". Zulasten der chronisch Kranken darf diese Reform aber auch nicht vonstatten gehen. Ob die Regierung dies auf die Dauer versprechen kann oder diese Reform nicht doch den Weg zur Versicherungspflicht vorbereitet und weg von der Pflichtversicherung? (von Christiane Url, 6020 Innsbruck)

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Was bei der ganzen leidigen Diskussion um die sogenannte Gesundheitsreform bisher überhaupt nicht zur Sprache kam, sind die immensen Schulden, die die Unternehmer bei den Krankenkassen haben: 2003 betrugen sie bereits satte 897,2 Millionen Euro, mittlerweile stiegen sie noch weiter an. Das wird von der Politik konsequent verschwiegen. Warum wohl? Und wen trifft's, wenn weiter massiv bei der Gesundheit eingespart wird? (von Edith Friedl per Internet)

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.5.2008)