Die Biochemikerin ist jenen Genen auf der Spur, die für Körperfülle sorgen.

Foto: TU Graz
Aufgewachsen auf einem Weingut in der Südsteiermark, hätte Juliane Strauss eigentlich Gärungstechnik in Wien studieren sollen. Sie bevorzugte aber Chemie an der Uni Graz, und diese Dickköpfigkeit führte schließlich zu einer Pionierleistung. Als erste Frau in der Geschichte der Technischen Uni Graz habilitierte sich die Biochemikerin an der Fakultät für Elektrotechnik. Diesen Anlass nützte die Forscherin für Fettstoffwechsel gleich, um mit Rektor und Dekan ein Gespräch über die Anliegen von Frauen an der Uni zu führen.

Ihr Forschungsgegenstand sind Fettzellen, die dem Körper bekanntlich als Energiespeicher dienen. Die Entstehung von Fettzellen bezeichnet man als Adipogenese. Wenn wir zu viel essen, werden die Fettzellen größer und mehr, und es kommt zur Fettleibigkeit. Es gibt einerseits genetische Veranlagungen, die zu Übergewicht führen, andererseits wird dem Körper in der Wohlstandsgesellschaft oft mehr Energie zugeführt, als er verbrennen kann. Damit legt er Fettdepots für schlechte Zeiten an. Fettleibigkeit begünstigt Folgekrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte, die wiederum an der Entstehung von Gefäßverkalkung beteiligt sind.

Im Rahmen der Förderschiene GOLD II (Genomik von Fettstoffwechsel-Erkrankungen) des Österreichischen Genomforschungsprogramms GEN-AU versucht Juliane Strauss neue Gene zu identifizieren, "die bei der Entwicklung von Fettzellen eine Rolle spielen. Man kennt zwar das gesamte menschliche Genom, aber nur etwa 50 Prozent der Gene sind in ihrer Funktion geklärt". Welche Gene für die Adipogenese interessant sind, findet sie mittels Transkriptomanalyse heraus.

Bei dieser bioinformatischen Methode wird das Erbgut verglichen, um herauszufinden, welche Gene in welchen Mengen vorhanden und eventuell für eine unterschiedliche Körperfülle verantwortlich sind. Als Modellorganismus für den Menschen dienen dabei (dicke) Mäuse.

Ihre Lehrjahre verbrachte die Gamlitzerin in der Gruppe von Rudolf Zechner (Wittgensteinpreisträger 2007) am Institut für molekulare Biowissenschaften der Karl Franzens Universität: "Wir waren vorne dabei, und niemand wollte in dieser heißen Forschungsphase etwas versäumen." Also verließ sie die steirische Landeshauptstadt 2003 nur einen Monat, um mit Mäusen in Übersee zu arbeiten.

An der University of Denver (Colorado) hatte sie die Gelegenheit, die "energy expenditure", also das Verhältnis von Energieaufnahme zu -abgabe, bei den Nagern zu messen, was bis heute in Graz nicht möglich ist. An der Universität Leiden (Niederlande) bestimmte sie drei Jahre zuvor die Größe von Plaques in Mäuse-Blutgefäßen, eine Methode, die in Graz demnächst etabliert wird. 2005 wechselte die 36-jährige an die TU Graz, an das Institut für Genomik und Bioinformatik, weil ihr die Leitung eines eigenen Projektes angeboten wurde. Mit Literaturstudium und auf Konferenzen hält sie sich auf dem neuesten Stand der Methodik. Die Winzertochter ist dem Wein insofern treu geblieben, als sie gerade die Weinakademie absolviert. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22. 5. 2008)