Eindrücke von einem Wiener Abend, der den Klimaschutzskeptikern gehörte.

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Björn Lomborg ist derzeit so etwas wie der Lieblingslinke der Konservativen. In schwarzem Polo, Blue Jeans und amerikanisch gefärbtem Englisch redete der Statistiker und Politologe deutlich über eine Stunde auf rund 150 Zuhörer im Ares-Tower der Wiener Donau-City ein und erhielt sogar brausenden Applaus.

Vielleicht auch, weil seine Ausführungen stellenweise an Kabarett grenzten. Was ist das emblematisch vom Klimawandel bedrohte Tier? Der Eisbär natürlich. Dabei müsse man wissen, dass sich die Zahl der Eisbären in den letzten vier Jahrzehnten vervierfacht habe, dozierte Lomborg und rechnete vor, dass die Einhaltung des Kyoto-Protokoll jährlich einem Eisbären das Leben rette. Wenn uns so viel am Überleben der Eisbären liegt, meine Damen und Herren, können wir das auch billiger haben: Verschonen wir einfach einige der pro Jahr 500 abgeschossenen Eisbären!

Lomborg stellte weder in Abrede, dass die Menschheit in das Geoklima eingreift, noch dass eine Kehrtwende bei der Emission von Treibhausgasen nötig ist. Doch das Kyoto-Protokoll hält er für eine denkbar schlechte Gegenstrategie. Die Erfüllung der Klimaschutzziele verschiebe die Erwärmung nur um einige Jahre nach hinten, rechnete er vor. Besser sei es, sich rechtzeitig auf den Klimawandel einzustellen. Das gelte selbst für die Malediven oder Bangladesch, die besonders betroffen sind, wenn der Meeresspiegel ansteigt. Womit im Lauf des 21.Jahrhunderts nicht um die von Al Gore behaupteten sechs Meter zu rechnen sei, sondern um realistische 34 Zentimeter.

Immer wieder berief sich Lomborg auf den Weltklimarat (IPCC) als "die beste Expertise, die wir haben". Der Konstruktionsfehler sei nur, dass der IPCC, obwohl die Ökonomie bewusst ausgeklammert worden sei, politische Empfehlungen abgebe. Statt hunderte Milliarden in den Kampf gegen Emissionen zu stecken, würde Lomborg massiv in die Erforschung und Entwicklung emissionsarmer Energien investieren. Er forderte eine Verzehnfachung der dafür eingesetzten Mittel auf 25 Milliarden Dollar jährlich.

Bill Gates spielen

An der Copenhagen Business School lässt er seine Studenten schon einmal für einen Tag Bill Gates spielen. Kaum einer habe sich dabei übungshalber als Wohltäter des Klimas annehmen wollen, berichtet Lomborg. Vor vier Jahren versammelte er renommierte Ökonomen in Kopenhagen. Ihre Berechnungen, welche Probleme der Welt es sich besonders zu bekämpfen lohne, ergaben, dass jeder in die Prävention von Aids oder Fehlernährung investierte Dollar den dreißig- bis vierzigfachen Schaden abwehre, während ein in Klimaschutz investierter Dollar nur einen Effekt von dreißig Cent bewirke.

Am Wochenende beginnt die Übung beim zweiten Copenhagen Consensus von Neuem. Dass der Kyoto-Folgevertrag nächstes Jahr ausgerechnet in Kopenhagen ausgehandelt werden soll, wird für den Klimaschutzskeptiker ein Heimspiel werden.

Zumal Lomborg nach seinem rhetorisch glänzenden Wiener Vortrag bewies, dass er auch absurde Wortmeldungen aus dem Publikum als Stichwort für statistische Sticheleien gegen den Klimaschutz nehmen kann. Wenige Kilometer entfernt in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geologie (Zamg) wurde das Thema zur gleichen Zeit weniger bissig, aber doch mit Niveau besprochen. Reinhard Böhm stellte sein neues Buch Heiße Luft vor.

Der Wiener Eiskern- und Gletscherexperte war nicht nur überrascht, dass sich trotz der Terminkollision mehr als hundert Interessierte einfanden, sondern dass auch "die extremen Wortmeldungen, die ich sonst von solchen Veranstaltungen gewohnt bin", ausblieben. Ein zentraler Punkt an diesem Abend und in seinem Buch ist die vermeintliche Zunahme der Extremwetterereignisse. Vor allem die Rückversicherer propagieren dies als Folge des Klimawandels. Angestiegen ist aber vor allem die Besiedlung der Küsten, die von Hurrikanen heimgesucht werden, und damit der Schaden, den sie anrichten können, wie Böhm betonte. Er hat Zeitreihen zu Niederschlägen, Windgeschwindigkeiten und Temperaturen ausgewertet. Zumindest für das südliche Mitteleuropa kam er zum Schluss, dass das Klima im 20.Jahrhundert stabiler geworden ist. (Stefan Löffler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22. 5. 2008)