Rom - Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi wird demnächst den libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi treffen. Dies berichtete der italienische Außenminister Franco Frattini am Donnerstag. "Wir arbeiten an dem Gespräch mit Gaddafi, Berlusconi will ihn treffen", sagte Frattini, der persönlich nach Libyen reisen will, um das Treffen zu organisieren.

Mit dem Gespräch will Berlusconi die Spannungen der letzten Tagen beseitigen, die mit Tripolis aufgetreten waren. Libyen hatte wegen Berlusconis Beschluss heftig protestiert, den Politiker der Regierungspartei Lega Nord, Roberto Calderoli, zum Minister für Verwaltungsreform zu ernennen. Calderoli war vor zwei Jahren im italienischen Fernsehsender RAI mit einem T-Shirt aufgetreten, auf dem die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aufgedruckt waren. Vor dem italienischen Konsulat in der libyschen Küstenstadt Benghasi war es daraufhin zu gewaltsamen Protesten von Muslimen gekommen, bei denen mindestens elf Menschen getötet wurden.

Saif Islam, der älteste Sohn von Libyens Revolutionsführer Gaddafi, hatte davor gewarnt, dass Calderolis Ernennung zum Regierungsmitglied "katastrophale Auswirkungen" auf die Beziehungen zwischen Italien und Libyen haben würde. Als Reaktion auf Calderolis Eintritt in Berlusconis Kabinett kündigte Libyen an, nicht mehr mit Italien im Kampf gegen die illegale Immigration kooperieren zu wollen. Erst nachdem Calderoli betont hatte, er habe seinen TV-Auftritt bereut, zeigte sich Tripolis zufrieden. (APA)