Als Ryan Giggs gegen Ende der regulären Spielzeit aufs Feld kam, wurde die kleine Gestalt von Bobby Charlton für wenige Sekunden im Fernsehen gezeigt. Giggs brach mit seinem 759. Spiel für ManU Charltons Fleiß, wenige Minuten später hätte er beinahe das 2:1 erzielt. Doch Chelseas Kapitän und Innenverteidiger John Terry köpfelte den Ball in einer akrobatischen Einlage über die Latte, er vergab im Elferschießen den Sieg und heulte wie ein Schlosshund.

ManU hatte im Champions-League-Finale eine schmerzhafte zweite Halbzeit überstanden, Lampards 1:1 knapp vor der Pause hatte dem englischen Meister den Schwung und die Zuversicht geraubt, erst Giggs konnte ManU wieder stabilisieren. Er war ManUs einziger Spieler, der noch beim Finalsieg 1999 über Bayern München mitgearbeitet hatte. Der Veteran verkörpert die unheimliche Aufladung mit Härte und Herzlichkeit, die diesen Klub aus der Mitte Englands und das Spiel trotz allen Merchandisings und Videoüberwachungswahns noch immer auszeichnet.

Vielleicht ist es ein Zeichen, dass Chelseas Oligarch Roman Abramowitsch mit seinen aus seltsamen Quellen sprudelnden Zillionen sich den Erfolg nicht einfach kaufen kann. Vielleicht zeigt Drogbas Liebesdachtel und Ausschluss in einer Zeit, da Politiker, Ölkonzerne, Sportartikelkonzerne und UEFA-Bier die Menschen häkerln, welche Schmerzen und Freuden echte Bemühung auslöst - und voraussetzt. Vielleicht lehrt die EURO trotz - oder gerade wegen - des Fanmeilenkommerzgesumses: Das Licht ist Leben, nicht der Scheinwerfer. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 23. Mai 2008)