Foto: Arpad Bondy

Sein erster Leser war Benno Ohnesorg. Die jungen Männer, beide Jahrgang 1940, hatten am Braunschweig-Kolleg zusammengefunden. Der Kürschner Timm und der Schaufenstergestalter Ohnesorg entdeckten die Kunst, die Literatur und dabei vor allem Camus, dessen Meursault sie beeindruckte. Die beiden Kommilitonen gaben eine Zeitschrift heraus, darin findet sich O'Nesos (= Ohnesorgs) einziges veröffentlichtes Gedicht. Als 1971 das erste Buch des anderen, der Gedichtband "Widersprüche", erschien, war Benno Ohnesorg schon vier Jahre tot. Erschossen in Westberlin, von einem Polizisten.

In "Heißer Sommer" schrieb Uwe Timm über den Mai '68. Der Freundschaft zu Ohnesorg, der durch seinen Tod zur Symbolfigur geworden ist, widmet er sein jüngstes Buch. "Der Freund und der Fremde" ist, wie schon die autobiografische Erzählung "Am Beispiel meines Bruders", ein sehr persönlicher Text. Die Einführung in den Abend gestaltet Margit Knapp. Die Tirolerin, die mit Klaus Wagenbach arbeitete und "Das linke Ding" aufbereitete, drehte 2008 mit Arpad Bondy das Porträt "Die Freiheit zu schreiben". Film, Lesung. (pen / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5.2008)