Wenn man bedenkt, dass im Sommer 2007 die Gerüchte über einen möglichen Krieg zwischen Israel und Syrien nicht verstummen wollten, dann ist man umso dankbarer für das Zeichen politischer Vernunft, das die nun offiziell bestätigten Kontakte zwischen den beiden Ländern darstellen. Aber diese indirekten, durch einen türkischen Vermittler (oder eher Briefträger) geführten Gespräche auf Beamtenebene als "historischen Durchbruch" zu feiern, wie es der israelische Premier Ehud Olmert tut, ist eine leichte Übertreibung. Es ist noch ein langer Weg dahin, wo man schon einmal war, und es ist nicht leichter geworden.

Um ein paar hundert Meter (die Diskrepanz zwischen einer Grenzlinie direkt am Ufer des See Genezareth und einer darüber) ging es am Schluss im Jahr 2000, bevor die Gespräche abgebrochen wurden. 1994 hatte der später ermordete Premier Yitzhak Rabin den USA die Aufgabe des Golan zugesagt, falls Israels Sicherheitsbedürfnisse erfüllt würden.

Die jetzigen Gespräche beziehen sich hingegen nur auf die Madrid-Konferenz von 1991, die direkte Verhandlungen zwischen Israel und seinen Nachbarn auf der Basis der UN-Resolutionen 242 und 338 vorsah. Eine vage Sache, auch wenn jeder weiß, dass damit "Land für Frieden" gemeint ist.

Auch Rabin hatte den Israelis ein Referendum über eine mögliche Aufgabe des – 1981 annektierten – Golan versprochen, aber er hätte es, im Gegensatz zu Olmert, gewinnen können. Und dann braucht es noch die Unterstützung der USA – eine Normalisierung mit Washington wäre ein wichtiger Punkt für Damaskus –, die heute nicht vorhanden ist. Das kann sich jedoch schon in ein paar Monaten ändern. (DER STANDARD Printausgabe, 23.5.2008)