Dichte Rauchwolken dringen aus dem Atomkraftwerk Krümmel. Dieses Bild aus dem südlichen Schleswig-Holstein schreckte die Deutschen am 28. Juni des Vorjahrs auf. Und es markierte für den Energieversorger Vattenfall den Beginn einer Krise, von der er sich bis heute nicht erholt hat.

Nach dem Brand in einem Transformator musste zunächst nicht nur Krümmel abgeschaltet, sondern auch das nahegelegene AKW Brunsbüttel wegen Spannungsschwankungen heruntergefahren werden. Doch das war noch nicht das Ende der Pannen: Wenig später räumte Vattenfall ein, dass in Krümmel einige Wanddübel nicht in einwandfreiem Zustand seien. Im Juli fuhr Vattenfall sein AKW Brunsbüttel erneut außerplanmäßig herunter, nachdem sich "Auffälligkeiten in den Ölkreisläufen" gezeigt hatten.

Entsetzen bei den Stromkunden

Entsetzt über die Vorfälle zeigte sich nicht nur die Kieler Atomaufsicht, die Vattenfall wegen der Sicherheitsmängel zwischenzeitlich sogar mit Entzug der Lizenz drohte. Auch die Stromkunden in Deutschland goutierten die Pannenserie nicht und wandten sich in Scharen von der deutschen Tochter des staatlichen schwedischen Vattenfall-Konzerns ab. Alleine in Berlin und Kiel verlor Vattenfall 250.000 Kunden - auch wegen einer Erhöhung der Strompreise. Die Flucht der Kunden wirkte sich spürbar auf den Gewinn aus. Obwohl die Strompreise in Deutschland stiegen, verdiente Vattenfall im ersten Quartal 2008 um 25 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2007.

Trotz der Pannenserie werben Unions-Politiker wegen des hohen Ölpreises weiterhin dafür, den unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg hinauszuschieben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel würde die Atomkraft gerne noch länger nutzen. Sie argumentiert, dass deutsche Kernkraftwerke noch immer zu den sichersten der Welt gehören. Doch sie weiß, dass der Atomausstieg nicht rückgängig zu machen ist, solange die SPD ihr Koalitionspartner ist. (bau/DER STANDARD – Printausgabe, 23.5.2007)