Wien - Sind Rinder-Eizellen mit eingepflanztem menschlichen Erbgut aus Hautzellen nun Embryonen oder nicht? Im Zuge des im britischen Unterhaus erteilten Sanktus für derlei Forschungen ist in Österreich ein Expertenstreit über die Bezeichnung solcher Tier-Mensch-Chimären entbrannt. Laut Kathpress kritisierte der Mediziner und Moraltheologe der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien, Matthias Beck, Aussagen des Reproduktionsmediziners und IVF-Pioniers Wilfried Feichtinger (Medizinische Universität Wien - MUW), wonach die Gebilde definitionsgemäß nicht als "Embryonen" zu bezeichnen seien.

Feichtinger hatte erklärt, dass die Tier-Mensch-Chimären schon deshalb nicht als Embryonen zu bezeichnen seien, da dieser Begriff erst ab der Einpflanzung in der Gebärmutter anzuwenden sei. Für Feichtinger handelt es sich deshalb um "Zygoten bzw. Blastozysten" oder auch Prä-Embryonen.

"Keine reine Begriffsklauberei"

Beck betonte, dass diese Diskussion keineswegs eine reine Begriffsklauberei sei, vielmehr "breche darin letztlich die Frage nach der ethischen Beurteilung der Hybridenproduktion und -forschung an sich auf". Mit der Bezeichnung "Embryo" sei zugleich auch die "Schutzwürdigkeit dieser Wesen" verbunden.

Für Beck handelt es sich bei dem von britischen Wissenschaftern geschaffenen Klon um einen "mit tierischen Genen verunreinigten menschlichen Embryo", mit 99,9 Prozent menschlichem und 0,1 Prozent tierischem Erbgut. Auch wenn dieser nach derzeitigem Wissensstand keine Überlebenschance besitze und nach etwa 14 Tagen absterbe, sei er dennoch zu schützen. Die Forschung mit derartigen Chimären sei abzulehnen, da sie "verzweckt" und allein aus Forschungsgründen produziert würden. (APA)