Charleville-Mézières - Im Prozess gegen den Serienmörder Michel Fourniret und seine Frau Monique Olivier in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe gefordert. Der 66-Jährige dürfe das Gefängnis "niemals mehr" verlassen, sagte Staatsanwalt Francis Nachbar am Donnerstagabend. Für Fournirets Ehefrau und Komplizin forderte er eine lebenslange Strafe, verbunden mit einer Mindesthaftdauer von 30 Jahren. Der auf Jungfrauen versessene Franzose hat gestanden, sieben Mädchen und junge Frauen entführt, vergewaltigt und brutal ermordet zu haben. Seine Frau half ihm bei der Jagd auf Opfer. Außerdem soll sie an einem Mord beteiligt gewesen sein.

Der Staatsanwalt beschrieb die Angeklagten als Kriminelle von einer "Grausamkeit und Unmenschlichkeit" die bisher unvollstellbar gewesen sei. "Sie sehen nur aus wie menschliche Wesen", sagte er zu dem Paar auf der Anklagebank. Nachbar bezeifelte auch Oliviers vorgebliche Rolle als unterwürfige, von ihrem Mann terrorisierte Ehefrau. Sie sei die "blutige Muse" Fournirets gewesen, ein "Katalysator" seiner Verbrechen. Bei den Angehörigen der zwischen zwölf und 21 Jahren alten Opfer, von denen Fourniret eine noch nach deren Tod missbraucht hatte, entschuldigte sich Nachbar für die detaillierte Beschreibung der Verbrechen. "Was für eine Horror-Litanei mute ich Ihnen zu!"

Fourniret verweigerte meist Aussagen

Während des seit fast zwei Monaten dauernden Prozesses vor dem Schwurgericht des Ardennen-Städtchens Charleville-Mézières mussten sich die Familien der Opfer geradezu unvorstellbare Einzelheiten anhören. Olivier schilderte, wie sie ihrem Mann half, die Mädchen und jungen Mädchen ins Auto zu locken. Einmal bat die damals hochschwangere Frau eine Passantin, ihr den Weg zur Entbindungsklinik zu zeigen. Die 59-Jährige beschrieb, wie sie ihren Mann sexuell stimulierte, um ihn "in die Lage zu versetzen", die entführten Mädchen zu vergewaltigen. Sie erzählte auch, wie sie später beim Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann die Rolle der Opfer nachspielte.

Fourniret verweigerte zumeist jede Aussage zu den Taten, weil der Prozess nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Als er Mitte Mai auf Bitten seiner erwachsenen Tochter vorrübergehend das Schweigen brach, belastete er in einem Wutanfall vor allem seine Frau. Zu keinem Moment zeigte der schmächtige Mann mit der randlosen Brille und dem grauen Stoppelhaar auch nur eine Regung von Reue. Während der mehrstündigen Ausführungen des Staatsanwalts saß er meist mit geschlossenen Augen auf der Anklagebank hinter schussfestem Glas. Seine Frau saß reglos mit gesenktem Kopf neben ihm.

Paar schloss Pakt

Fourniret hatte seine Frau Ende der 80er Jahre per Kontaktanzeige in einer katholischen Wochenzeitung kennengelernt hatte, als er bereits wegen einer Vergewaltigung im Gefängnis saß. In einer ausführlichen Korrespondenz schloss das Paar damals einen teuflischen Pakt: Fourniret sollte Oliviers ersten Mann töten. Im Gegenzug sollte sie ihm helfen, junge Mädchen und Frauen zu finden, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen.

Der Prozess wird am Montag mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.(APA/AFP)