Zur Person Der deutsche Jurist Träm arbeitete in internationalen Kanzleien und Banken, bevor er zu ADL kam. 2006 wurde er weltweiter Leiter der ältesten Beratungsgruppe. Er kam anlässlich der Büroeröffnung der Beratungsgruppe nach Wien.

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STANDARD: Zuletzt heizte der deutsche Bundespräsident Köhler die Debatte über Managergehälter an. Eine berechtigte Kritik?

Träm: Das Thema wird zurzeit von politischer Seite sehr populistisch behandelt, das verkauft sich auch gut. Das ist aber nur im deutschsprachigen Raum ein Thema, in den USA oder Asien interessiert das überhaupt keinen Menschen. Dort ist viel zu verdienen nichts Anstößiges. Bei uns zeigt man nicht, dass man ein großes Auto oder eine große Villa hat. Der Amerikaner fährt vor. Letztlich sind die Gehälter eine Frage von Angebot und Nachfrage.

STANDARD: Köhler bezeichnete die Finanzmärkte als Monster – auch ein Ausritt in den Populismus?

Träm: Da sind bestimmt Verwerfungen entstanden. Die Subprime-Krise ist ein sehr komplexes Thema. Wenn man hier von Monster oder Krake als etwas, das man nicht bändigen kann, spricht, dann ist es das. Viele Banker, Bankenaufseher und Aufsichtsräte haben die Probleme nicht erkannt. Die Realität ist immer schneller als das, was der Gesetzgeber oder Aufsichtsbehörden abbilden können.

STANDARD: Wenn die Spekulation danebengeht, wird nach Staatshilfe gerufen – ist das vertretbar?

Träm: Da wäre schon die Frage zu stellen: Wäre es nicht angebracht, einmal eine Bank tatsächlich fallenzulassen? Es gibt so viele Beispiele, bei denen Banken aufgefangen werden. Wenn Sie das immer wieder haben, ist das ein Problem, weil die Risikobereitschaft von Vorständen und jenen, die kontrollieren, zunimmt, weil es keine Bestrafung oder Folgen von Missmanagement gibt. Das führt zu monströsen Verwerfungen, um das Wort noch einmal zu gebrauchen. Und an der Stelle sind wir im Moment.

STANDARD: Gilt Ihre Verteidigung der Managergehälter auch für die Abfindungen an geschasste Chefs?

Träm: Das ist ein eindeutiger Fehler. Wer gute Arbeit leistet, soll dafür bezahlt werden. Wer schlechte Arbeit macht, darf nicht erwarten, dass man ihm dafür auch noch viel Geld nachwirft.

STANDARD: Nach ersten Bremsmanövern bei Übernahmen infolge der Finanzkrise scheint das Geschäft wieder zu brummen. Viele Fusionen funktionieren aber nicht, wie man spätestens seit der Spaltung von Daimler und Chrysler weiß.

Träm: Die Unternehmen haben dazugelernt. Früher waren es 60 bis 70 Prozent der Merger, die keinen Mehrwert schafften, heute ist es immer noch jeder zweite. Für so viel Geld und Zeit, die investiert werden, ist das immer noch ein verheerendes Ergebnis. Nach wie vor sind wir sehr gut darin, die Synergie zu berechnen, aber oft beschäftigt man sich zu wenig mit Kulturen und Kommunikationsthemen.

Das hört sich jetzt so soft an, aber Sie kommen mit der harten Seite nicht weiter, wenn Sie die andere nicht auch beachten. Da heißt es dann manchmal, ein französisches und ein deutsches Unternehmen fusionieren, das ist eine Katastrophe. Das ist nicht das Thema. Ich habe mich zum Beispiel mit großen Mergern im Ruhrgebiet beschäftigt, wo einer den Tower links hatte und der andere rechts; die konnten sich in die Chefetage reinschauen. Da würden Sie sagen, die haben die gleiche Kultur, das sind doch alles Kinder aus dem Pott. Weit gefehlt. Das eine Unternehmen ist zentral, das andere komplett dezentral geführt – das macht den Unterschied aus.

STANDARD: Bringt das neue Büro in Wien auch neue Pläne?

Träm: Wir wollen den Personalstand verdreifachen. Wir könnten noch stärker wachsen, wenn wir genug Leute hätten. Aber wir können die Leute nicht auf der Straße einfangen, die müssen handverlesen sein und sich in der ganzen Welt bewegen. In den letzten Jahren war es um Arthur D. Little in Österreich etwas ruhig. Nun stellt jeder fest: ADL is back. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2008)