Kopfschmerzen Magendrücken und noch ein paar Zustände könnte man kriegen: Die Gesundheitsdebatte schlägt sich aufs Gemüt – auch jenes der Leserschaft. Wer nicht über diese besondere Kdolsky’sche Gelassenheit verfügt, Widrigkeiten als zielgerichteten Diskussionsprozess anzusehen, hat es in diesen Tagen schwer. Schnell wird einem auf die Füße getreten: Ärzte fühlen sich übergangen, Patienten verängstigt und viele Apotheker missverstanden – ein Minenfeld für Journalisten.

Der Artikel „Staatsdiener zu sein lohnt sich“ war in dieser Hinsicht ein Volltreffer. Mit Hingabe wurde das Leistungsangebot der Beamtenversicherung mit jenem der Gebietskrankenkassen verglichen. Länger Krankengeld, höhere Zuschüsse für Brillen und Zähne für Beamte wurden aufgeführt – eine Kleinigkeit nur wurde übersehen. Es fehlte, dass den höheren Leistungen ein Selbstbehalt von 20 Prozent gegenübersteht. Die Auseinandersetzung ist hitzig, wer noch dazu einen pointierten Kommentar zur Reform in Erinnerung hat, vermeint zu erkennen, dass hier Polemik statt Recherche zu Papier gebracht wurde.

Davon kann indes nicht die Rede sein. Es ist wie so oft bei unseren Fehlern – in der Eile wurde ein Aspekt übersehen. Im Bemühen um ausgleichende Gerechtigkeit werden wir nun nicht die andere Seite mutwillig ohrfeigen. Wir werden tun, was sich gehört und was wir davor auch unter Beweis zu stellen glaubten: Im aufrichtigen Bemühen um Objektivität sauber weiterrecherchieren und das Ergebnis nach bestem Wissen niederschreiben.

Widmen wir uns nun den unbestritten schöneren Seiten des Lebens, dem Urlaub. Wir rieten Anfang Mai im Reiseteil zum Aufenthalt in der englischen Grafschaft Kent. Der Hinweis, die Hauptstadt Canterbury zu besuchen führt in die Irre. Wer in Kent nach der Hauptstadt sucht, wird nach Maidstone gewiesen. Einem ähnlichen Irrtum sind wir schon Wochen davor aufgesessen. Wir schrieben aus Anlass des US-Vorwahlkampfes von Philadelphia als der Hauptstadt des US-Bundestaates Pennsylvania. 106 Meilen daneben: So weit ist es von der größten Stadt des Bundestaates, eben Philadelphia, zu dessen Hauptstadt Harrisburg. Geografisch näher liegt uns die Johannesgasse in Wien. Dort befindet sich das Studentenheim der Musik-Uni, das nun schließt, wie wir im Uni-Standard berichteten. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Heimträger, die Österreichische JungarbeiterInnenbewegung (ÖJAB), ist kein kommerzieller, sondern ein gemeinnütziger Verein.

Eine wunderbar erdige Geschichte fand mit einem Bericht über den Zwiebelanbau in Österreich am 9. Mai Eingang ins Blatt. Der Chef des Gemüseverbandes Niederösterreich hat demnach einen kometenhaften Aufstieg gemacht: Er baut seit 30 Jahren Zwiebeln an. Mit 600 Hektar hat seine Familie begonnen, heute sind es gut 2500 Hektar, schrieben wir. Wovon leben die anderen Zwiebelbauern Österreichs? 2500 Hektar entsprechen der Gesamtanbaufläche Landes. Was sollte man mit noch mehr Zwiebeln anfangen? Man braucht gar nicht ans Schneiden zu denken, kommen einem die Tränen. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2008)