Wien - So wie Bill Callahan bei Worten wie "Graveyard" oder "Blood" das Gesicht verzieht, könnte man meinen, die von ihm im Bitteren und Schattseitigen angesiedelten Lieder verursachten beim Vortrag Sodbrand.

Am Donnerstag spielte der US-Musiker mit seiner Band im gut besuchten Wiener WUK, und das Gebotene war nichts weniger als einer der nachhaltigsten Auftritte der letzten Jahre. Callahan, ein Stoiker mit strengem Seitenscheitel, der schon ganze Auftritte mit dem Rücken zum Publikum absolviert hat, bespielt ein Genre, das ob seiner pessimistischen und von scharfem Zynismus durchschnittenen Ausrichtung passend als Todes-Country bezeichnet wird.

Callahan nimmt diesem allen Ziertand und reduziert seine Songs auf ihr ökonomisches Skelett. Das erinnert in seiner Konsequenz an die Kunst der frühen Talking Heads: Weniger ist nicht nur mehr, es ist alles!

Mit diesem Kunstgriff, der in seiner Entschlossenheit live eine enorme Verführungskraft entfaltete, arbeitete sich Callahan durch Stücke seines jüngsten Soloalbums Woke on a Whaleheart und durch Songs aus der Zeit, in der der 42-Jährige als Smog veröffentlichte.

Gitarrenminiaturen auf Basis der Arbeit seiner fantastischen Band wurden durch sture Repetition zu beklemmenden Dramen hochgezüchtet, in denen Callahan mit einer Grabesrednerstimme wahlweise streng distanziert oder - so weit es sein Wesen eben zulässt - emphatisch vortrug. So wurden Midtempo-Songs wie Diamond Dancer zu drängend-wuchtigen und mitreißenden Songs aufgetürmt, während Callahans Stimme in den kargen Balladen mit der Eindringlichkeit eines Zahnbohrers zu Herzen ging. Ein (Alb-)Traum! (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.5.2008)