Anruf von Yul Brynner, Grüße von Jean Cocteau, ein Fax von Noël Coward und Hochprozentiges von Mister Hemingway. In der Garderobe von Marlene Dietrich war was los. Davon zeugt der erste Teil von Pam Gems Hommage Marlene in einem Programm der Wiener Volkstheater in den Bezirken. Dafür will die Dietrich (Susa Meyer) aber keine Zeit verschwenden. Sie fährt mit ihren "divösen" Fingern in die gelben Gummihandschuhe und legt voller Misstrauen (wie es für enorm disziplinierte und vielfach enttäuschte Alphatierchen üblich ist) selbst Hand an beim Bodenschrubben. Die anderen machen es eben nicht gut genug. Beim Auspacken der Schrankkoffer fliegen dann die Fotos diverser bereits genannter Herren durch die sehr bald rauchgeschwängerte Luft. Und in diesem Moment wird der preußische Ordnungssinn kurzfristig gekreuzt von der beständigen Ausweitung der Kampfzone.

Susa Meyer holt den Seemann aus der Diva, sie lässt den diversen Filmstar-Launen freien Lauf, sodass selbst die duldsame Assistentin (Annette Isabella Holzmann) irgendwann in die Knie geht. Nach "Bier und Bouletten" verlangt es das alte Schöneberger Mädel ("Ik will wat Feines"). Kriegt sie. Der zweite Teil führt vor die Kulissen: Im Paillettenkleid und Federboa (heute fühlt man sich an Gwen Stefani erinnert) gibt die Dietrich ein Konzert in bester Sprechgesangs-Manier, in dem Susa Meyer schlichtweg beeindruckt: Ich bin die fesche Lola , Johnny, wenn Du Geburtstag hast, Lili Marleen, The laziest girl in town und viele mehr. Und so geht der Abend (Regie: Andy Hallwaxx) über in melancholische Bewunderung. (afze / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.5.2008)