Das Nationalparkzentrum Mittersill führt auf Fährten, die das rasche Weiterkommen zwischen den "Alpine Pearls" wieder relativieren.

Foto: Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern

Staufrei, ja vielleicht, aber nur über Umwege kommt man in Österreich dem Ziel näher, den Urlaub ohne Auto zu realisieren. Wer sich nämlich für eine mehrtägige Netzkarte zur Benützung aller ÖBB-Züge und Postbusse interessiert, kann diese nach wie vor nicht einfach so am Kassenschalter lösen. 

Eine Hintertür zum touristischen Verbundticket führt ins Reisebüro: Die "Alpine Pearls", eine Kooperation von Orten, die autofreie Mobilität gewährleisten, haben den Bundesbahnen nun einen drei bis vierzehn Tage gültigen Pass entlockt. Vertrieben wird er allerdings nicht am Schalter, sondern hauptsächlich über den Veranstalter "Rail Tours Austria". Anspruch auf ein derartiges Verbundticket haben zudem nur jene, die auch ein Quartier in einer der drei österreichischen Mitgliedsgemeinden der "Alpine Pearls" buchen.

Mag diese Einschränkung auch nachvollziehbar sein, schade ist sie insofern, als das Ticket eigentlich zur Benützung aller ÖBB-Züge und Postbusse in ganz Österreich berechtigt. Eine Rundreise kann mit diesem neuen "Alpenperle-Österreich"-Ticket dennoch geplant werden, vorausgesetzt man will Werfenweng, Neukirchen/Bramberg und Hinterstoder nacheinander abklappern.

Autofreie Hauptrollen

So wird denn auch zum ersten Mal eine individuelle Reise durch die Berge ermöglicht, bei der das Auto vor Ort überhaupt keine Rolle mehr spielen soll. Mobil bleiben Reisende in der näheren Umgebung - einmal abgesehen von den Elektrofahrzeugen, Fahrrädern und Bergbahnen - vor allem mit dem Postbus. Welche Ausflugsziele in welcher Zeit erreichbar sind, erfährt man gleich bei der Buchung.

In jedem Fall gilt es aber zu klären, was man mit diesem Ticket, das die drei "österreichischen Perlen" auffädelt, eigentlich erreichen will: Für das schnelle Weiterkommen etwa gibt es auch eine Pauschalreise, die in sechs Tagen alle drei Orte zweitägig streift, dabei verbringt man gewiss viel Zeit in der Bahn und im Bus.

Alleine Neukirchen am Großvenediger, das mehrfach für sein vorbildlich erhaltenes Ortsbild ausgezeichnet wurde, erschließt den Nationalpark Hohe Tauern wiederum durch eigene sanfte Verkehrsmittel. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass einen nicht das Nationalparktaxi, das Radtaxi oder die Bergbahnen bereits an einen Ort gebracht haben, wo man nun endlich verweilen will, hilft auch hier der Postbus weiter: Aber spätestens dann, nach 19 Minuten, wenn der Bus das Nationalparkzentrum Mittersill erreicht hat, relativiert sich der Wunsch, permanent zwischen drei "alpinen Perlen" mobil bleiben zu können.

In einem architektonisch reizvollen Ambiente trifft man dann auf die Ausstellungs-Teaser zu jenen lokalen Themen, die einen endgültig erkennen lassen, warum man hier ist und nicht schon wieder unterwegs: Die geologischen Schätze der Region, die reiche Fauna und die wechselvollen Geschichten, die ein Gletscher zu erzählen hat, werden hier zwar schön thematisiert, erleben allerdings kann sie nur, wer sich Zeit lässt.

Die Führungen im Nationalpark nämlich, die wiederum von den Orten Neukirchen und Bramberg selbst angeboten werden und die Naturschauspiele fachkundig in Szene setzen, verlangen von den Teilnehmern ein wenig Geduld - zumeist dauern sie einen Tag. Wann und wie oft man die Netzkarte innerhalb eines Monats benutzt, wird einem zum Glück aber freigestellt. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/24./25.5.2008)