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Im Vergleich zur wild über die Bühne wirbelnden und tolle Effekte aufbietenden Konkurrenz wirkte der Auftritt der No Angels wenig originell.

Foto: REUTERS/Marko Djurica
Belgrad - Vom Pop-Himmel in die Grand-Prix-Hölle: Die No Angels sind beim Eurovision Song Contest (ESC) in Belgrad abgestürzt. Nur 14 Punkte und ein gemeinsamer letzter Platz mit Großbritannien und Polen - der Auftritt auf der Eurovisions-Bühne holte die Pop-Engel aus Deutschland ziemlich unsanft auf den Boden zurück. Dabei hatte das Quartett zuvor sogar noch einen Sieg für möglich gehalten und auf die Zugkraft seines prominenten Namens gehofft.

Als Sieger waren sie - damals noch zu fünft - im Jahr 2000 aus der Castingshow "Popstars" hervorgegangen und zur erfolgreichsten deutschen Girlband aufgestiegen. Nummer-Eins-Hits und Erfolgsalben machten die No Angels auch im Ausland bekannt. Doch diesmal hatten sie auf Europas Musikbühne keine Chance - der Triumph blieb Russland vorbehalten.

Die Schmach von Belgrad war für Experten keine Überraschung: "Das ist ein Radiosong und kein Lied, zu dem man auf der Bühne eine spektakuläre Show abliefern kann", sagte Irving Wolther, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und ESC-Kenner. Die rothaarige Lucy, die blonde Sandy und die beiden dunkelhaarigen Nadja und Jessica hatten ihr balladesk angehauchtes Lied "Disappear" in sexy blauen und violetten Outfits vorgetragen, auf High-Heels, mit Windmaschine und Pyrotechnik. Doch im Vergleich zur wild über die Bühne wirbelnden und tolle Effekte aufbietenden Konkurrenz wirkte ihr Auftritt wenig originell, der Song zu schwach, um im Gedächtnis haften zu bleiben - die frühe Startnummer vier kam erschwerend hinzu.

"Lied fehlte Identität"

Auch nach Ansicht von Alexander Heiler, Gründer und Ex-Mitglied der Pop-Gruppe Wind, sind die No Angels schlecht betreut und beraten worden. "Sie haben bei der Präsentation völlig überdreht. Es ist wichtig, das die Betreuung vor Ort so funktioniert, dass die Band am betreffenden Abend auf den Punkt singt. Vergleichbar ist dies mit der Betreuung eines Hochleistungssportlers vor einem Wettkampf", sagte "Ala" Heiler am Sonntag in Stuttgart der dpa. Wind hatte 1985 und 1987 den 2. Platz beim Grand Prix erreicht. Deutschland habe sich mit dem Titel außerdem zu blass präsentiert. "Dem Lied fehlte die Identität." Der Titel gebe nichts her und hätte aus jedem beliebigen Land stammen können, meinte Heiler. (dpa)