Foto: RWB
Verlässlichkeit ist grundsätzlich eine gute Eigenschaft. Beim Weinmachen erfreut sie umso mehr. Verlässlich in den Qualitäten, die präsentiert werden, sind diese fünfzehn burgenländischen Weingüter plus eins allemal. Das bedeutet, dass man sich hier als Weinfan wohl aus Weinstilen, Geschmäckern und Weinfarben wählen muss. Um gut oder schlecht, geglückt oder misslungen geht es in dieser Liga bei kaum mehr ernsthaft, und zwar in keinem Jahrgang, egal wie sehr er auch in den Jahrgangseinschätzungen tot geschrieben wurde. Zur Verlässlichkeit hier gehören auch Erfahrung, ein oft unterschätztes Schlüsselelement beim Weinmachen, und Know-How. Von beiden haben alle zur Gruppe der Renommierten Weingüter Burgenland (RWB) gehörenden Betriebe reichlich, auch wenn die nächste Generation peu à peu reinwächst und gerade eben mit dem Erfahrungsammeln beginnt (z.B. Hannes Schuster, Clemens Igler, der übrigens auch ein begabter Fußballer ist - soviel der Weinbeitrag zu dräuenden Euro). Dazu kommen viele Weingartenanlagen, die langsam ein "respektables" Alter erreichen, was sich wieder in einer Festigung und Verfeinerung der Weinqualitäten auswirkt.

"Plus einer" bezieht sich übrigens auf Paul Rittsteuer, den Präsidenten der RWB und ehemaligen Agrarlandesrat im Burgenland, der nach seinem Rückzug aus der hohen Politik vor kurzem Winzer in Neusiedl am See geworden ist. Die RWB-Vollmitglieder, die über viele Jahre kontinuierliche Topleistungen zeigen müssen, um für eine Mitgliedschaft in Betracht gezogen zu werden, haben Rittsteuer sozusagen als "Ehren-RWBler" adoptiert. Zu Gruppe gehören übrigens Paul Achs aus Gols (auch Pannobile), Feiler-Artinger aus Rust, Gesellmann sowie Hans Igler aus Deutschkreutz, Juris von Axel und Herta Stiegelmar aus Gols, Paul Kerschbaum, Horitschon, Kollwentz-Römerhof aus Großhöflein am Leithagebirge, Kracher aus Illmitz, Krutzler als einziger südburgenländischer Repräsentant, Josef Leberl ebenfalls Großhöflein, Pöckl aus Möchhof, Rosi Schuster aus Sankt Margareten, Ernst Triebaumer aus Rust, Josef Umathum, der übrigens wie so einige in der Wein-Oberliga gerade auf biodynamische Bewirtschaftungsweise umstellt, und Velich aus Apetlon als einziger reiner Weißweinbetrieb.

Beeindruckend war Paul Achs’ Dreier-Paket an 2006-er Blaufränkischen aus den Golser Lagen Altenberg, Spiegel und Ungerberg. Sollte noch irgendjemand bezweifeln, dass es zwischen Weingärten Unterschiede gibt, der möge bitte diese drei probieren, wenn möglich im direkten Vergleich. Hans und Kurt Feilers Solitaire 2006 aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot ist ein Muster an Eleganz und überzeugt vielleicht auch jene, die bei „Barriquereife“ in einer Weinbeschreibung automatisch an Holz-Geschmack denken. Barrique ist eine von vielen möglichen Größen für Holzfässer, in denen hochwertiger Wein reifen kann. Bei gekonntem Umgang damit - und den beherrschen die Feilers perfekt - schlägt sich das in strukturierten, langlebigen Weinen nieder, nicht in austrocknendem, herbem Geschmack nach frisch gehobelten Zaunlatten. Solitaire wird seit 1988 gemacht, ist damit ein österreichisches Cuvée-Urgestein und schlug kürzlich bei einer 1997-er Blindprobe 15 andere österreichische Top-Cuvées, die, wie man so schön sagt, auch keine "Daherg’rennten" waren. (Bei Feiler sollte man übrigens auch niemals auf die Süßweine verzichten.)

Überzeugend war auch die gesamte Serie von Albert Gesellmann. Chardonnay Steinriegel 2006 ist frisch-mineralisch und sehr ausgewogen, Pinot Noir Siglos 2006 genau das, was man unter feinstem Burgunder österreichischer Provenienz versteht. Auch dieser Wein ist top über viele Jahrgänge, was er bei der bereits erwähnten 1997-er Probe ebenfalls bewiesen hat. (Und das obwohl Pinot Noir als zarte, durchscheinende Rebsorte gegenüber den dichteren, dünkleren Weinen allzu leicht ins Hintertreffen gerät. Die Verkostung hat übrigens nicht nur Jubel über den in höchsten Tönen besungenen 1997-er Jahrgang ausgelöst, da einige der Weine - immerhin Spitzenprodukte des Jahrgangs - enttäuschend "alt" und müde wirkten).

Super harmonisch, sehr saftig und frisch ist Gesellmanns 2006 Opus Eximium No 19, dabei überraschend zugänglich, fast soft für die verwendeten Blaufränkisch, Sankt Laurent und Zweigelt, wobei vor allem die ersten beiden Sorten doch auch ziemlich kantig sein können. Seit 2005 gibt es einen neuen Blaufränkisch "hochberc" (sic!), der ein geradliniger, "puristischer, schwerstens Terroir betonter Wein" sein soll, der in 500-Liter Eichenfässern inklusive Gärung vinifiziert wurde, wie Gesellmann erklärt - Idee punktgenau umgesetzt, Ergebnis hocherfreulich! Probiert wurde übrigens Jahrgang 2006.

Rosi Schuster und Hannes Schuster führen das Neun-Hektar-Weingut in Sankt Margareten zwar gemeinsam. In den Weinen kommt die Handschrift Hannes Schusters - weniger wuchtig, mehr Eleganz - Jahr für Jahr deutlicher zum Ausdruck, vor allem bei der schwierigen Sorte Sankt Laurent, bei denen es aus dem Jahrgang 2000 erstmals ein bemerkenswertes Einzelwerk unter seinem Namen gab. Auch wenn er heute einiges anders machen würde, wie er sagt, weil er sich "durch Erfahrung und viele Bildungsreisen sehr von dem damaligen Stil entfernt" habe. 2006 Zagersdorf St. Laurent ist jedenfalls eine weitere höchst erfreuliche Talentbezeugung. Auch eine weitere Neuigkeit lässt aufhorchen: Hannes Schuster und Roland Velich (Moric) haben 2007 erste gemeinsame Blaufränkisch-Versuche gestartet, auf deren Ergebnis allerdings noch einige Zeit gewartet werden muss.

Eine weitere Serie, bei der zwei Seiten im Kostkatalog für Worte und Rufzeichen nicht ausreichten, um die Feinheit und Eleganz zu beschreiben, war jene Josef Umathums. Er war einer der ersten, der Weine deutlich länger am Weingut zurückhielt, um ihnen auch noch die nötige Flaschenreife zu gönnen. "Weshalb unfertigen Wein verkaufen", fragte er sich zu Recht. Umathum präsentierte einen extra mineralischen, hocheleganten Sankt Laurent vom Stein aus 2004. Ried Hallebühl desselben Jahres sollte viele Zweigelt-Skeptikern mit feiner komplexer Kräuterwürze, Kirschfrucht und extremer Länge überzeugen, dass Zweigelt bei richtigen Bedingungen und gekonnter Behandlung das Zeug zu Großem hat. Dazu kommen noch Blaufränkisch Kirschgarten 2004 aus seinen Joiser Weingärten und ein hinreißender Gelber & Roter Traminer 2007 mit feinsten Rosenaromen, viel Mineralität und großer Ausgewogenheit.

In Hochform zeigte sich außerdem Sauvignon Blanc Steinmühle 2007 von Kollwentz, harmonisch-mineralisch, weiters empfehlenswert und auch noch relativ neu ist Pinot Noir 2006 aus der Lage Dürr. Bei Kracher empfiehlt es sich, vielleicht auch einmal die weniger „flashigen“ Sorten zu probieren: wie Welschriesling, der als Süßwein einzigartige fein-würzige Qualitäten hat, ebenso wie seine Cuvée Auslese 2006 aus Chardonnay und Welschriesling, und 2005 Zweigelt Auslese (ganz genau - süßer Rotwein!). Krutzlers 2006-er Blaufränkisch Reserve (gefüllt) ist für Freunde des Eisenberg mehr als nur eine feine Überbrückungshilfe bis zum nächsten Perwolff. René Pöckl zeigte u.a. einen sehr eleganten, ausgewogenen, "normalen" (O-Ton) Pinot Noir 2005 und Admiral 2005 (Zweigelt, Merlot, Cabernet Sauvignon), den man bitte nicht sofort nach dem Einkauf trinken, sondern unbedingt noch einige Jahre der Flaschenreife gönnen sollte.

Hervorstechend auch die Fassproben zu Ernst Triebaumers Mariental 2006, der bei hervorragender Struktur und besten Anlagen durch ungewöhnlich intensive Aromen nach Eibischzuckerl auffiel. Zu bester Letzt (weil halt der letzte im Alphabet und daher auch in jedem Katalog) Weingut Velich mit Darscho, dem derzeitigen Liebling aus der 2006-er Serie, wenn er auch "nur" die mittlere Stufe im kleinen und übersichtlichen Velich-Universum darstellt: salzig-frisch-mineralisch, extra fein und dicht mit feiner Zitrusfrucht, hochkomplex, der wie Heinz Velich immer erläutert, in seiner Jugend auch immer leichter verständlich ist. Und ein Jungspund ist der Chardonnay aus 2006 in jedem Fall, auch wenn das mit "jung" und "weiß" und 2006, hierzulande nicht immer so gesehen wird, wo doch schon 2007 und fast halb 2008 ins Land zogen. (Luzia Schrampf)