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Foto: Getty Images/Stuart Franklin/Bongarts
"Ermüdungsbrüche finden sich an anderen Stellen, wie Frakturen nach Kontusion", zieht Axel Stäbler, Leiter der Praxis für Radiologie in München Harlaching bei Betrachtung kernspintomotgraphischer Aufnahmen einen Vergleich.

Typische Schwachstellen

Nicht jeder Knochenbruch verlangt nach einem Schlag oder Sturz. Permanent hohe Trainingsbelastungen machen Knochen von Sportlern brüchig. Findet er helle Stellen im Schaft eines weißen Mittelfuß- oder Schienbeinknochens, so hegt Stäbler schon einen Verdacht. Denn diese Knochenabschnitte sind die typischen Schwachstellen des Läufers.

Klassische "Marschfraktur"

Erscheinung des 21. Jahrhunderts ist die Stressfraktur keine. Ein preußischer Chirurg hat sie 1855 erstmalig beschrieben. Durch stundenlange Märsche diagnostizierte er bei untrainierte Rekruten die sogenannten "Marschfrakturen" im Mittelfußbereich. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die typische Überlastungsfolge in der Sportmedizin unter einem neuen Namen, der "Stressfraktur" etabliert.

Schmerzende Vorstufe: Knochenmarksödeme

Kaum vorstellbar, dass ein stabiler Knochen beim Sporteln ganz einfach bricht. Im Gegensatz zu traumatischen Brüchen ist bei Stressfrakturen der Knochen nur selten völlig durchtrennt. Regelmäßig zwingen Schmerzen schon wesentlich früher zur Trainingspause. Die weißen Stellen, die Stäbler beschreibt, sind ein wichtiger Hinweis, jedoch noch keine Fraktur. "Die Magnetresonanzuntersuchung zeigt auch die Vorstufe der Knochenmarksödeme", erklärt Stäberl und erkennt als Radiologe was eigentlich noch nicht ist.

Ständiger Umbauprozess

Was im Knochen passiert, erklärt sich wie folgt: Der menschliche Knochen ist einem ständigen Umbauprozess unterworfen, An- und Abbau ergänzen sich im Normalfall perfekt. Bei hoher Belastung läuft der Knochenstoffwechsel auf Hochtouren. Droht ein Bruch, so wird einerseits Zellmaterial maximal abgebaut und gleichzeitig maximal angebaut, um eine Instabilität zu verhindern.

Fehldiagnosen

"Beim geringsten Verdacht einer Stressfraktur sollte heute die Magnetresonanzuntersuchung frühzeitig der Abklärung dienen", betont der deutsche Experte und will hier von den hohen Kosten der Untersuchung weitgehend absehen. Denn Fehldiagnosen wie Periostitiden (Knochenhautenzündungen) und Insertionstendopathien (Sehnenansatzentzündungen) sind nicht selten.

Computertomografie statt Röntgen

Das konventionelle Röntgen ist im Falle einer Stressfraktur der Computertomografie beziehungsweise Magnetresonanztomografie mit Sicherheit unterlegen. Im Vergleich zwar wesentlich billiger, zeigen diese radiologischen Methoden weder Kleinstfrakturen noch Knochenödeme.

Wichtige Trainingskarenz

Belastungsabhängige Schmerzen beim Laufen zu ignorieren ist jedenfalls falsch. Meist hat sich der Läufer durch zu hohe Trainingsumfänge und Intensitäten selbst in die missliche Lage gebracht. Auch eine veränderte Lauftechnik, ungeeignete Schuhe oder Beinlängendifferenzen können an der Entstehung einer Stressfraktur beteiligt sein.

Heilung in acht Wochen

Wer die Diagnose Stressfraktur verzögert, legt nicht nur sein Lauftraining, sondern auch seinen Heilungsprozess lange auf Eis. Hauchdünne Fissuren (Knocheneinrisse) heilen in der Regel in acht Wochen vollkommen aus. Eingipsen ist nicht erforderlich. Lauffrei bedeutet nicht sportabstinent. Radfahren, Schwimmen oder Aquajogging sind weiter erlaubt. Entscheidend ist immer die Schmerzfreiheit. (phr)