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Linz - Nach "Schaurausch", dem ersten Kunst-Projekt der Kulturhauptstadt 2009 im Vorjahr, führt "Tiefenrausch" von 30. Mai bis 13. Juli in die Unterwelt von Linz. Einen Höhepunkt bietet die Ausstellung "Strom des Vergessens" im Aktienkeller, die vom Direktor des Offenen Kulturhauses Martin Sturm bei einem Presserundgang mit Landeshauptmann Josef Pühringer, Vizebürgermeister Erich Watzl (beide V) und Linz09-Intendant Martin Heller am Montag präsentiert wurde. Zu sehen sind 27 Installationen internationaler Künstler, die sich mit dem Thema Vergessen und Erinnern in politischer sowie privater Hinsicht auseinandersetzen.

"Erinnern und Vergessen sind ein Zwillingspaar, das unsere Kulturgeschichte zutiefst geprägt hat", so Sturm. Bei "Tiefenrausch" handle es sich um einen Stadtrundgang mit Hilfe von Kunst, erläuterte Heller. Die Intention des Projekts sei, Kunst erfahrbar zu machen, ohne sie zu banalisieren und auf Berührung zu setzen, ohne zu belehren.

Anlässlich des heurigen Jubiläums 90 Jahre Oberösterreich sei die Ausstellung im Stollensystem eine "Form der Geschichtserkundung", ergänzte Pühringer. Überdies sei es erst 65 Jahre her, dass dort die Menschen während des Zweiten Weltkriegs Schutz und Zuflucht fanden. Kunst und Kultur sei mit "Tiefenrausch" für die Bevölkerung greifbar geworden. Der Unterschied zu "Schaurausch" bestehe darin, dass heuer viel Wert auf Kulturvermittlung gelegt werde, ergänzte Watzl. Besonders Schulklassen und Pensionisten sollen mit dieser Ausstellung angesprochen werden.

"Shining Spectators"

Im Eingangsbereich der Ausstellung simuliert eine bewegte Licht- und Rauminstallation die Atmosphäre eines Ballsaals. Das Projekt "Shining Spectators" der oberösterreichischen Künstlerin Ursula Witzany will dem Besucher die "Ängstlichkeit des Augenblicks" beim Hereinkommen nehmen, erklärte Sturm. "Ash Tree" - eine Videoinstallation der belgischen Künstlerin Sarah Vanagt - soll an bereits verstorbene Mitmenschen erinnern. Gezeigt wird ein kleines Mädchen zwischen Grabplatten, das auf den Gräbern das Lesen lernt.

Ein original gestrandetes afrikanisches Fischerboot erzählt im Stollen von der Flucht aus Afrika. Das Boot sei damit eine Art Zeitzeuge und erinnere unter dem Titel "Warten auf Sindbad" an die Auswanderung über die Meere, die bereits vielen tausend Menschen das Leben gekostet habe, so der Künstler Christoph Draeger. Gute Nerven braucht man bei der audiovisuellen Installation "Zee" des Linzer Künstlers Kurt Hentschläger. Der Besucher muss dabei in einen Raum, der von künstlichem Nebel, Lichtblitzen und Bassklängen erfüllt ist. Durch die computergesteuerte Fusion dieser drei Elemente entstehe eine technisch produzierte dreidimensionale Raumlandschaft, erklärte der OK-Direktor. Der Besucher sei dabei einer äußerst intensiven Körpererfahrung ausgesetzt.

Die Kosten für das Projekt würden sich auf rund 800.000 Euro belaufen, so Sturm. "Tiefenrausch" sei somit um einiges teurer als "Schaurausch". Grund dafür seien die schwierigeren Bedingungen, im Untergrund Kunst zu installieren. 2009 soll mit "Höhenrausch" der dritte Teil des Kunst-Projekts folgen. (APA)