Wien – Auch wenn die Renovierungsarbeiten am Corps de Logis der Hofburg abgeschlossen sind: Das Museum für Völkerkunde, das mit der Benin -Sonderschau im Sommer 2007 ein kräftiges Lebenszeichen von sich gab, wird seine Schausammlung, die sich auf insgesamt 3200 Quadratmeter erstrecken soll, in absehbarer Zeit nicht präsentieren können. Im Oktober werden gerade einmal zwei Asien-Säle eröffnet. Denn es fehlen die Mittel (Minimum: fünf Millionen Euro) für die Einrichtung der restlichen Fläche – immerhin 88 Prozent. Wenigstens können ab November, nach der eingekauften Tutanchamun -Schau, Sonderausstellungen (etwa über Sri Lanka und Sitting Bull ) gezeigt werden.

Um die Öffentlichkeit auf die unerquickliche Situation aufmerksam zu machen, wählte man ein geschichtsträchtiges Datum: Am 25. Mai 1928, also vor 80 Jahren, wurde das Museum eröffnet. Es war aus der 1876 gegründeten anthropologisch-ethnographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums hervorgegangen.Die Eigenständigkeit verlor man aber wieder: 2001 übernahm das Kunsthistorische Museum die Institution (wie auch das Theatermuseum).

Bei der Pressekonferenz am Montag zählte Wilfried Seipel, der scheidende KHM-Generaldirektor, die bisherigen Investitionen auf: Der Keller wurden für Depots nutzbar gemacht, das Dachgeschoss zu Büros ausgebaut, das Hochparterre für Sonderausstellungen saniert und so weiter. Doch nun sei das Geld ausgegangen, das Kulturministerium "klammere" sich aber an die ursprünglichen Finanzierungspläne (9,8 Millionen Euro):Er sehe keine Möglichkeit, vom diesem "zusätzliche Mittel zu lukrieren".

Der Pressesprecher von Kulturministerin Claudia Schmied meinte, dass man "die neue Leitung der KHM-Gruppe" abwarte. Schmied wollte diese im April bekannt geben, nun peilt sie Ende Juni an. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 27.05.2008)