Riad/Kairo - Mit der Verleihung der Goldenen Palme ging am Wochenende das erste offizielle saudische Filmfestival in der liberalen Golfstadt Dammam zu Ende. Die Goldene Palme ist die einzige Gemeinsamkeit mit der glitzernden Filmmetropole von Cannes, wo die Preise die gleiche Form haben und fast gleichzeitig vergeben wurden.

Glanz, Glamour und Blitzlichtgewitter suchte man in Saudi-Arabien vergeblich. Stattdessen gab es getrennte Säle für das männliche und das weibliche Publikum. Aber für den preisgekrönten Regisseur Abdullah al-Eyaf war es dennoch "das wichtigste Ereignis in der saudischen Filmgeschichte". Auch die saudische Regierung stand hinter dem Projekt. Filme sollten nur nach ihrem Inhalt beurteilt werden, sagte Kultur- und Informationsminister Iyad Madani bei der Eröffnung des Wettbewerbs.

Keine Kinos seit den 80er Jahren

Daraus lässt sich die Botschaft ablesen, dass die Regierung nichts dagegen hat, dass Filme gezeigt werden. Seit den frühen 1980er-Jahren gibt es im Königreich keine Kinos mehr. Damals setzte das Herrscherhaus den rigorosen wahabitischen Trend des Islam durch. Religionswächter machten Jagd auf alles Unislamische. Die Kinos machten dicht. Ein Gesetz, das Kinos verbietet, gibt es nicht, für viele Saudis sind sie nicht mit dem Islam vereinbar, weil sie gegen die Tradition der Geschlechtertrennung verstoßen.

Trotzdem wissen die Menschen über Filme bestens Bescheid. Satellitenkanäle senden Filme. In den Videoshops kann man die von Kuss- und Sexszenen gesäuberten Versionen von sämtlichen internationalen Produktionen kaufen und aus dem Internet die unzensurierten Originale herunterladen.

Die Goldene Palme bei dem Wettbewerb ging an "Cinema 500 km" des Regisseurs al-Eyaf. Der Streifen schildert die Erfahrungen eines 21-Jährigen, der von Riad nach Bahrain fährt. Um einmal Kino zu erleben, nimmt er eine Reise von 500 Kilometern in Kauf. (Astrid Frefel/DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2008)