Margret hat bei ihrem Praktikum fürs Leben gelernt und weiß was sie nicht will: Eine verstaubte Beamtin werden. Nette KollegInnen und eigenverantwortlich arbeiten zu dürfen, sind ihr wichtig.

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Geld, einen fixen Job oder für die Zukunft bessere Chancen am Arbeitsmarkt. Wer ein Praktikum, einen Ferienjob oder ein Volontariat macht, hofft, dass sich die investierte Arbeitskraft lohnt. Dabei können sich erste Berufserfahrungen auf unterschiedliche Weise rentieren. Selbst die Erkenntnis, was man im zukünftigen Berufsleben nicht will, ist wichtig. derStandard.at hat sich bei StudentInnen umgehört, was sie von ihren ersten Berufserfahrungen mitgenommen haben.

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"Schon in der Schulzeit habe ich im Sommer gearbeitet. Am Fließband, als Stubenmädchen, Küchenhilfe und Serviererin", erzählt Eva, 25. Von den Ferienjobs hätte sie sowohl finanziell als auch ideell profitiert, sagt die angehende Landschaftsplanerin. "Mir war sehr schnell klar, dass ich unbedingt einem Beruf lernen muss, der mir wirklich Spaß macht".

Schlimme Vorgesetzte

Auch die Publizistikstudentin Margret, 21, weiß nach vier Wochen Praktikum in einer Botschaft, was sie will und was nicht. "Ich will später im Bereich Öffentlichkeitsarbeit arbeiten und keinesfalls ein verstaubter Beamter werden". Im Praktikum hätte sie vor allem fürs Leben gelernt, nämlich: "Wie man mit schlimmen Vorgesetzten umgeht, wie man sich eine dicke Haut anlegt und dass man sich auch mal etwas trauen muss, um was zu erreichen", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at.

Bei Praktika sei es wichtig, nicht als der "Depp für alles" gesehen zu werden, eigenverantwortlich arbeiten zu dürfen, nette KollegInnen zu haben und am Ende ein sinnvolles Feedback zu bekommen.

Glücksgriff

Mariella, 24, hat mit ihrem Pflichtpraktikum, das sie im Rahmen ihres Studiums für internationales Weinmarketing an der Fachhochschule Burgenland absolvieren musste, einen echten Glückstreffer gelandet. Für drei Monate war sie auf einem spanischen Weingut. "Es war einfach spitze. Ich musste Werbeplakate, Kataloge und Präsentationen erstellen und außerdem habe ich Länderanalysen durchgeführt", berichtet sie.

Das Praktikum war unbezahlt, "aber immerhin wurde mir die Unterkunft kostenlos zur Verfügung gestellt". Dies sei keineswegs selbstverständlich. Noch vor Ende ihres Masterstudiums wurde Mariella von einem großen Handelskonzern als Weineinkäuferin engagiert. "Das Praktikum hat sich also auch beruflich rentiert", ist sie überzeugt.

Zwei sind genug

"Ich persönlich habe noch nie gehört, dass jemand im Rahmen seines Praktikums unterfordert gewesen wäre, eher wird man überfordert", berichtet Magda, 25. In so manchen Unternehmen würden Praktikanten eine Vollzeitarbeitskraft ersetzen. Die angehende Wirtschaftsgeografin betreut beim studentischen Netzwerk für Wirtschaftsethik sneep eine Plattform zur Vermittlung von Praktika. Angeboten werden nur Praktika, die vergütet werden, erklärt Magda.

Geplant ist, dass ehemalige PraktikantInnen ihre Erfahrungen auf der Plattform veröffentlichen. Ein Informationsaustausch sei wichtig, denn Praktika würden sich qualitativ stark von einander unterscheiden. Ob sie selbst noch ein Praktikum machen möchte? "Auf keinen Fall. Ich habe zwei gemacht, das ist genug", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at.

Arbeitsrecht

Bei der Freude über die ersten Berufserfahrungen werden arbeitsrechtliche Aspekte oft hinten angestellt. Dabei handelt es sich bei so manchem "Volontariat" oder "Praktikum" in Wahrheit um befristete Dienstverhältnisse, die eigentlich gemäß Kollektivvertrag entlohnt werden müssten. Im Einzelfall sei dies jedoch oft schwer abzugrenzen, sagt Josef Leitner, arbeitsrechtlicher Berater bei der Arbeiterkammer. Er empfiehlt deshalb bereits im Vorfeld vertraglich abzuklären, ob und in welcher Höhe das Praktikum entlohnt wird und welche Tätigkeiten es umfasst.

Die Tätigkeitsinhalte bei einem Pflichtpraktikum richten sich nach den jeweiligen schulrechtlichen Bestimmungen, jedenfalls sollen fachbezogene Kenntnisse vermittelt werden. Der Entgeltanspruch für PflichtpraktikantInnen ist in einzelnen Branchen kollektivvertraglich geregelt.

Volontariat

Im Unterschied zum Pflichtpraktikum besteht beim Volontariat kein Arbeitsverhältnis: Der Volontär ist an keine Arbeitszeiten gebunden, der Betriebsinhaber hat kein Weisungsrecht. "Im Grunde schuldet ein Volontär einem Unternehmen überhaupt nichts, außer dass er nichts anstellt", so Leitner. Wer sich im Rahmen eines Volontariats "im Betrieb umsieht", darf auf "Taschengeld" hoffen, dabei handelt es sich jedoch um eine freiwillige Zuwendung. (burg/ derstandard.at, 26. Mai 2008)