Wien - Ein hingegossener Armstuhl, ein aufgeblasener Sitzpolster, eine zusammengebogene Couch - im Widerstand gegen die "gute Form", gegen praktische und ästhetische Normen, haben sich Möbelkünstler und Designer in den vergangenen vierzig Jahren einiges einfallen lassen. "Formlose Möbel" zeigt das MAK von Mittwoch bis zum 26. Oktober in der Studiensammlung Möbel. "Das Material gab ab den 1960ern plötzlich die Möglichkeiten vor.

Foto: MAK

Und so ist es auch das Material, das für Überraschungen sorgt. Unter den fast klassisch zu nennenden Beispielen sticht Gunnar Aargaard Andersens "Armchair" von 1964 hervor, den man auch für eine komplizierte Steinskulptur halten könnte - bis man ins Weiche greift. Polyurethan - der Stoff aus dem Polstermöbel sind - völlig entfesselt. In flüssigem Zustand als Armstuhl gegossen und sich selbst überlassen, bildet es dicke Tropfen, wie die kunstvoll geworfenen Falten einer schweren Decke. Immerhin bleibt die Funktion eindeutig erhalten.

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Von Jerszey Seymours eigens für die Ausstellung in die Ecke geschüttetem Schaumstoff kann man das nicht mehr behaupten. Eine weiche Masse, die vielleicht als breite, unebene Liegefläche dienen könnte. Zwischen Klassikern wie dem "Sacco" von 1968, dem Sitzsack, der in unserer Möbelgewohnheit gar nicht mehr sonderlich experimentell wirkt, für damalige Verhältnisse aber eine kleine Revolution der vom Benutzer geformten Möbel einleitete und ganz neuen Arbeiten wie einem bauchigen Tisch von Greg Lynn, zeigt die Schau mit nur 18 Exponaten die verschiedenen Spielarten des Formlosen.

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Immerhin gibt es Platz für einen herrschaftlichen Sitzthron aus reiner, billiger, Wellpappe - den MAK-Direktor Peter Noever üblicherweise in seinem Büro stehen hat - oder für Stühle aus schichtenweise alten Kleidern. Gaetano Pesce, der in den 70er und 80er Jahren sogar dem Filz statische Fähigkeiten zu entlocken wusste, ist gleich mit mehreren dubiosen Sitzgelegenheiten vertreten.

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Etwa die Hälfte der Exponate stammt aus der Sammlung des MAK, weitere vier bis sechs Werke werden durch die Ausstellung dort Eingang finden. Der britische Designer Tom Dixon bastelt aus einem einzigen, heißen Plastikstrahl einen "Fresh Fat Easy Chair", ein Stuhl also wie ein gigantisches Spinnennetz. Wer dabei auf den Geschmack kommt und sich selbst ein paar formlose Einrichtungsgegenstände an die Wohnung oder an den Körper anformen will, kann einige der in Serie gefertigten Exponate auch käuflich erwerben.(APA/red)

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