Sozialminister Erwin Buchinger dürfte einen fußballbegeisterten Bekanntenkreis haben: Er kaufte 90 Karten für die EURO.

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Wien - Auch wenn geschenkte EURO-Karten für BeamtInnen des öffentlichen Dienstes gegen die von Beamtenministerin Doris Bures ausgearbeiteten Richtlinien verstoßen - es zahlt sich trotzdem aus, Politiker zu sein. Während Normalsterbliche hoffen müssen, eine Kaufkarte erwerben zu dürfen, bot die UEFA der österreichischen Bundesregierung insgesamt 1.600 Kaufkarten für die EURO 2008 an. Besonders eifrig nützten das Angebot Sozialminister Buchinger mit 90 Karten, Verteidigungsminister Darabos mit 38 Karten und Frauenministerin Bures mit 34 Karten. 

Das teilte das Bundeskanzleramt "zur Klarstellung" in einer Aussendung mit. Die von Regierungsmitgliedern nicht in Anspruch genommen Kaufkarten werden der UEFA laufend refundiert. Mit Stand 27. Mai wurden von den 1.600 angebotenen Kaufkarten 954 an die UEFA refundiert.

Gewonnenes Match

Die Grünen ermunterte die Aufstellung, der SPÖ zu ihrem Sieg zu gratulieren. Der Sportsprecher der Grünen, Dieter Brosz, ätzte in einer Aussendung über die "EM-Karten-Grundsicherungsaktion" des Sozialministers: "Die SPÖ hat dank Buchinger das Kaufkarten-Match gegen die ÖVP souverän für sich entschieden: 169: 68. Alle Achtung!" Gegenüber derStandard.at heißt es, man werde die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen und parlamentarische Anfragen an alle MinisterInnen einbringen, wieviele Kauf- und Protokollkarten tatsächlich in Anspruch genommen wurden.

Im Sozialministerium weist man darauf hin, dass noch gar nicht klar sei, ob tatsächlich 90 Karten verwendet würden. Man sehe aber jedenfalla überhaupt kein Problem in der Menge der Kaufkarten - diese seien etwa für Menschen "aus dem Behindertenbereich, Pflegebereich oder aus der Freiwilligenarbeit, die sich so etwas sonst nicht leisten könnten" vorgesehen, so die Sprecherin des Ministers zu derStandard.at. "Der Herr Minister ist ein Fußballfan, hat selber gespielt und geht auch heute noch mit seinem Sohn auf den Fußballplatz - daher ist ihm diese Sache ein Anliegen".

Seitens der BundesministerInnen und StaatssekretärInnen liegen laut Kanzleramt folgende Kaufkarten-Bestellungen vor:

Dr. Martin Bartenstein      10 Kaufkarten        
Dr. Maria Berger            4 Kaufkarten
Dr. Erwin Buchinger         90 Kaufkarten
Doris Bures                 34 Kaufkarten
Mag. Norbert Darabos        38 Kaufkarten
Werner Faymann              0 Kaufkarten
Dr. Alfred Gusenbauer       0 Kaufkarten
Dr. Johannes Hahn           11 Kaufkarten
Dr. Andrea Kdolsky          0 Kaufkarten
Christa Kranzl              0 Kaufkarten
Dr. Reinhold Lopatka        2 Kaufkarten
Christine Marek             0 Kaufkarten
Dr. Christoph Matznetter    0 Kaufkarten
Mag. Wilhelm Molterer       23 Kaufkarten
Dr. Ursula Plassnik         8 Kaufkarten
Günther Platter             0 Kaufkarten
Dipl.-Ing. Josef Pröll      14 Kaufkarten
Dr. Claudia Schmied         3 Kaufkarten
Heidrun Silhavy             0 Kaufkarten
Dr. Hans Winkler            0 Kaufkarten

(red, derStandard.at, 27.5.2008)