Vorträge in der Straßenbahn - diese Woche in Wien keine Seltenheit.

Foto: derstandard.at
Musikstudent Armin setzt sich ans Klavier und beginnt mit einem Rondo von Beethoven. Seine Lehrerin, Jovanka Banjac, steht daneben und schaut ihm auf die Finger. Normalerweise würde Armin in den Räumen der Musikuniversität üben. Doch heute spielt er unter freiem Himmel im Resselpark. Die vorbeiskatenden Kinder lassen sich von seiner Musik nicht beeindrucken, hin und wieder aber bleiben Leute stehen und schauen erstaunt auf das Klavier im Park. Interessierte nehmen sich ein paar Minuten Zeit und hören zu. Es ist die "Woche der freien Bildung" und Universitäten zeigen in der Öffentlichkeit, was sie tun.

Universitätsalltag live

Vor zwei Jahren wurde diese Woche von den österreichischen HochschülerInnenschaften ins Leben gerufen, um Menschen den Universitätsalltag und die Arbeit an den Universitäten näherzubringen. "Wir wollen mit dem Elfenbeinturmklischee Schluss machen und den Leuten verdeutlichen, warum die Wissenschaft ein so maßgeblicher Teil unserer Gesellschaft ist", sagt Mitveranstalter Matthias Nowak von der HTU (Hochschülerschaft der TU Wien) zu derStandard.at. Handys, Computer, Kino, Musik, Autos, Flugzeuge, Bücher, medizinische Versorgung - unser derzeitiger Lebensstandard baut auf dem Wissen der universitären Forschung auf.

Von "Quantenphysik" bis "Tonsatz & Gehörbildung"

Bis Freitag, den 30. Mai, gibt es noch die Gelegenheit in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Wien an öffentlichen Plätzen den Lehrenden und Studierenden bei der Arbeit zuzusehen. Mit außergewöhnlichen Vorlesungen und Seminaren wollen die Universitäten Passanten anlocken: "Nachrichtentechnik", "Das Herz- und Kreislaufsystem", "Historischer Schwertkampf", "Tonsatz & Gehörbildung", "Quantenphysik" und "Logisitik" - das Angebot umfasst sowohl künstlerische als auch technische Themen. Vortragende erklären in sehr verständlicher Weise zum Beispiel den Unterschied von Viskose, Polyester und Baumwolle oder wie sich die Autokarosserie bei einem Crash verbiegt. Einer der Höhepunkte wird am Mittwoch ab 12.30 Uhr das "Aktzeichnen" der Akademie der bildenden Künste sein. Schauplatz ist eine Garnitur der Wiener Ringstraßenbahn, die eigens für die "Woche der freien Bildung" ihre Runden dreht.

Mehr Geld für Universitäten

"Es geht nicht darum, politische Kleinigkeiten zu fordern. Wir wollen zeigen, warum es wichtig ist die Universitäten zu unterstützen und auch Geld dafür in die Hand zu nehmen", formuliert Matthias Nowak den Sinn und Zweck dieser Veranstaltung. Das knappe Budget der Universitäten würde viele Forscher davon abhalten in Österreich zu arbeiten. Zuwenig Platz und desolate Gebäude würden die Forschung und Lehre erschweren und die derzeitigen Studienbedingungen die Entfaltung von Talenten verhindern. Diese Zustände möchte man mit der Woche der "freien Bildung" auch öffentlich machen. (Teresa Eder, derStandard.at, 27. Mai 2008)