Von Mädchen-Power keine Spur: Auf zwei Buben kommt im deutschen Kinderfernsehen höchstens ein Mädchen. In Zeichentrickfilmen werden Mädchen außerdem oft als Sexbomben dargestellt - mit viel zu langen Beinen und unerreichbarer Zentimeter-Wespentaille. Jedes vierte Mädchen ist unnatürlich schlank. Das ist das Ergebnis einer der Deutschen Presse-Agentur dpa in Auszügen vorliegenden Medienanalyse von 580 Sendungen mit mehr als 2000 Hauptfiguren. Mädchen sind demnach deutlich unterrepräsentiert und als Comic-Figuren oft noch dünner als eine Barbie. Überraschend: Jedes dritte oder vierte Fernsehmädchen ist im deutschen Kinderprogramm rothaarig - im internationalen Vergleich ist das überdurchschnittlich viel.

30.000 Charaktere untersucht

Bei der internationalen Studie, die vom Internationalen Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und der Stiftung Prix Jeunesse erstellt wurde, wurden insgesamt fast 30.000 Charaktere aus dem fiktionalen Kinderfernsehen in 24 Ländern untersucht. Die Medienanalyse wird an diesem Sonntag beim "Prix Jeunesse international", einem Fernsehfestival für Kinderprogramme beim Bayerischen Rundfunk in München vorgestellt.

Das Ergebnis: Zwei Drittel (68 Prozent) aller Hauptfiguren im internationalen Kinderfernsehen sind männlich und nur etwa ein Drittel (32 Prozent) sind Mädchen- oder Frauenfiguren. Das deutsche Kinderfernsehen liegt sogar noch unter dem internationalen Durchschnitt. Bedenkt man, dass sich in der Realität die Weltbevölkerung etwa je zur Hälfte aus Frauen und Männern zusammensetzt, ist das Kinderfernsehen bei der Geschlechterdarstellung weit von der Realität entfernt.

Dürrer als die Barbie

Zwei von drei Zeichentrickmädchen sind im internationalen Vergleich außerdem unnatürlich dünn, sogar dürrer als die Barbie. Um die Figur der Barbie zu erreichen, müsste eine Frau zwischen 1,88 Meter und 2,26 Meter groß sein oder sich eine Rippe herausoperieren lassen. Das Problem ist nach Ansicht der Wissenschafter auch die Sexualisierung. Mädchen würden bereits als Sexbomben dargestellt. Bei Jungen- und Männerfiguren sei die Bandbreite vom Kugelmann, "langem Lulatsch" bis zum normalen Jungenkörper viel größer.

Kinder selbst wollen sexualisierte Zeichentrickfiguren aber gar nicht, wie ein Test unter mehr als 1000 Kindern ergab. Sie suchten eher nach einem natürlich aussehenden Körper. Erst bei 11- bis 12- jährigen Mädchen steigt der Anteil derjenigen, die sich eine sexualisierte Figur wünschen, auf bis zu 20 Prozent. Dies führen Wissenschafter auf die körperliche Entwicklung der Mädchen in dem Alter zurück. Interessant ist das Verhalten der Buben: Sie bevorzugen rundere Körperformen bei den Mädchenfiguren.

Zeichentrickformate am häufigsten

Viele Tendenzen sind in Deutschland und international ähnlich. So bekommen Kinder vor allem fiktionale Geschichten (79 Prozent) und wenig non-fiktionale Programme (11 Prozent) geboten. Zu 80 Prozent bietet das deutsche Kinderfernsehen Zeichentrickformate an. (APA/dpa)