Kathmandu - Als einen "epochalen Tag" bezeichnete der Chef der Maoisten, Prachanda, die Vereidigung der Mitglieder der Verfassunggebenden Versammlung in Nepal. Am Mittwoch will sie in Kathmandu die seit 240 Jahren bestehende Monarchie in dem Himalayastaat abschaffen und den in weiten Teilen des Volkes unpopulären König Gyanendra entthronen. Prachanda, der zehn Jahre lang gewaltsam für die Abschaffung der Monarchie kämpfte, liebäugelt bereits mit dem Präsidentenamt. Dem bewaffneten Kampf hat Pushpa Kamal Dahal, wie der Maoistenführer eigentlich heißt, mittlerweile abgeschworen. Seine Ziele will er nun mit friedlichen und demokratischen Mitteln verfolgen.

Prachanda war schon früh von Politik und kommunistischen Ideen fasziniert. 1954 als ältestes von acht Kindern in eine Hindu-Bauernfamilie geboren, studierte er Agrarwissenschaften und trat 1971 der Kommunistischen Partei Nepals bei. Doch der damalige König Mahendra, der Vater des heutigen Monarchen Gyanendra, verbot jegliche Form der politischen Aktivität. Prachanda agierte fortan im Untergrund und schloss sich einer Rebellengruppe an, die marxistisch-leninistische und maoistische Ideen verfolgte.

Anführer des bewaffneten Aufstandes

Seit 1996 galt der schnauzbärtige Prachanda als Anführer des bewaffneten Aufstandes gegen die feudalen Strukturen und die Monarchie, was ihm den Beinamen "der Fürchterliche" einhandelte. Der Kampf dauerte mehr als zehn Jahre, insgesamt kamen rund 13.000 Menschen ums Leben. Der heute 54-jährige Vater von drei Kindern hat dabei nach eigenen Worten nicht nur für die Rechte der Frauen und Angehörigen der niedrigen Kasten, sondern auch für ethnische Minderheiten gekämpft. Seit Prachanda vor eineinhalb Jahren die Waffen niederlegte, wurde der frühere Guerillakämpfer in Teilen der Bevölkerung als "Held" gefeiert. Der Personenkult um den Maoistenführer geht so weit, dass seine Anhänger ihn fast wie einen Gott verehren.

Mord und Menschenraub

Doch der ehemalige Lehrer bleibt für viele ein rotes Tuch. Seine Gegner sehen in ihm einen brutalen Mörder, internationale Menschenrechtsorganisationen beschuldigen ihn und seine Rekruten des Mordes und Menschenraubes. Die USA setzten Prachanda und seine maoistische Vereinigung sogar auf ihre Liste der "terroristischen Gruppen". Ihrer Ansicht nach haben die Maoisten bis heute bewaffneten Aufständen und dem Einsatz von Gewalt nicht endgültig abgeschworen. Doch Prachanda schwört, auf ewig der Gewalt entsagt zu haben. Seine politischen Ziele will er nun mit demokratischen Mitteln erreichen. Ein Gegner feudaler Strukturen ist er freilich geblieben. "In Nepal ist kein Platz mehr für eine Monarchie", sagt er. Die Wahl zu einer Verfassunggebenden Versammlung in Nepal ist Teil einer Friedensvereinbarung zwischen den Rebellen und der Regierung vom November 2006, die damals das Ende des Bürgerkrieges einleitete.

Die Verfassunggebende Versammlung soll nun die Umwandlung des Landes in eine Republik besiegeln. "Die letzten 50 Jahre haben die Menschen für diesen Moment gekämpft", sagt Prachanda. (AFP)