Wien/Berlin - Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zum Atomstreit hat Deutschland dem Iran mit einer härteren internationalen Gangart gedroht. "Hier sind Fragen offen, wo wir mit noch größerem zeitlichen Druck auf Antwort drängen müssen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Dienstag vor der Parlamentarischen Versammlung der Nato in Berlin. Der Iran habe den Beweis noch nicht erbracht, dass er mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten wolle, sagte Steinmeier. Der Weltsicherheitsrat hat bereits dreimal Sanktionen gegen den Iran erlassen, der verdächtigt wird, an Atomwaffen zu arbeiten.

Der iranische Botschafter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, sagte am Dienstag, der Bericht bestätige, dass "alle atomaren Programme des Iran ausschließlich friedlich" seien und es daneben keine militärischen Programme gebe.

Die IAEO hatte am Montag erneut ernste Bedenken gegen das Atomprogramm geäußert. Entgegen den Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates habe Teheran sein Programm zur Urananreicherung nicht eingestellt, hatte IAEO-Chef Mohamed ElBaradei in einem am Montag in Wien veröffentlichten Bericht festgestellt. Er erwarte vom Iran "substanzielle Erläuterungen" zu einer möglichen militärischen Nutzung des Atomprogramms.

EU-Chefdiplomat Javier Solana hatte unterdessen erklärt, binnen eines Monats nach Teheran zu reisen zu wollen, um der iranischen Regierung ein neues Angebot zu unterbreiten. (Reuters, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2008)