Wien - Nach Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel sind auch die Grünen für ein behäbigeres Tempo bei der Gesundheitsreform. Gesundheitssprecher Kurt Grünewald sprach sich am Mittwoch bei einer Pressekonferenz gegen "Hast, Eile und Ho-Ruck-Aktionen" aus. Stattdessen müsse man die Geschwindigkeit zurückfahren und erneut konstruktiv verhandeln.

Eine Forderung der Grünen ist es, den Kassen mehr Verantwortung bei der Finanzierung und im stationären Sektor zu übertragen. Grünewald sprach sich auch erneut dafür aus, die die Höchstbeitragsgrundlage zu erhöhen um die Kasseneinnahmen zu stärken. Außerdem müsse es eine komplett neue Honorarordnung geben.

"Erschüttert" zeigte sich Grünewald über den jetzigen Entwurf zur Gesundheitsreform, der eigentlich nur ein Sanierungspaket für die Krankenkassen sei. Er wirft der Regierung "Etikettenschwindel" und "Rosstäuscherei" vor.

FPÖ: "Knebelung der Ärzte"

Die FPÖ stellt sich in Sachen Gesundheitsreform hinter die Ärzteschaft. Die geplanten Maßnahmen der Regierung sind für Parteichef Heinz-Christian Strache "eine schäbige Wahnsinnsreform" und eine "Knebelung der Ärzte". Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch prophezeite er den "Untergang der Kassenpraxen". Zusammen mit FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein plädierte er dafür, stattdessen den "Missbrauch im Gesundheitswesen" zu beheben. Außerdem möchte er die Sozialversicherungsträger auf zwei Kassen reduzieren: eine für österreichische Staatsbürger und eine für Nichtstaatsbürger.

BZÖ: Rücktrittsforderungen

Das BZÖ betrachtet die Reform zur Sanierung der Krankenkassen als "gescheitert". Die Regierung befinde sich bereits auf dem Rückzug, sagte BZÖ-Chef Peter Westenthaler zu den Stimmen von von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel, die gestern die Möglichkeit eines Verschiebens auf Herbst angedacht hatten. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz am Mittwoch forderte Westenthaler Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zum Rücktritt auf. (APA)