Nach lauten Nächten hätten sie in der Schrottfabrik landen sollen. Doch mit den Sammlern kam der Aufstieg zum edlen Möbelstück: Jukeboxes sorgen für Musik und für ein Klimpern in der Geldbörse.

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Einst galten sie als Glanzstück der Bars und Tanzcafés. Ein Münzeinwurf brachte die Musik zum Erklingen und verbreitete amerikanisches Lebensgefühl. Im vorigen Jahrhundert waren es die Lokalbesitzer, die mit Jukeboxes ein gutes Zubrot verdienten. Heute sind es die Sammler, die den Wert der Geräte neu entdeckt haben.

Das Musikbox-Zeitalter begann Anfang der 30er-Jahre in den USA. Wurlitzer, Rock-Ola, Seeburg und Ami zählten zu den bekanntesten Marken und lösten einen regelrechten Boom unter einer ganzen Generation aus. Da US-Besatzungstruppen fern der Heimat nicht auf ihre Abspielgeräte verzichten wollten, brachten sie die Jukebox in der Nachkriegszeit nach Europa. Die Modelle der Anfangszeit sind mit Ornamenten im Art-déco-Stil bestückt und besitzen Holzgehäuse und bunte Plastiksäulen. Rare Modelle für Schellacks wie Wurlitzer geben am Sammlermarkt den Ton an. Im Originalzustand und restauriert bringen diese bis zu 30.000 Euro in die Kassa.

Mit dem Einzug der kleinen Single-Platten zu Beginn der 50er-Jahre wechselte das Design zu mehr Glas und verchromtem Metall und erinnerte an den Cadillac. Die begehrten Sammlerobjekte: Seeburg VL 200, Ami I 200 oder die Wurlitzer 2000. Ihr Schätzwert liegt zwischen 12.000 und 20.000 Euro.

Sammlerpreise, die Wolfgang Kralik, Jukebox-Händler und einer der wenigen Restauratoren, zum Schmunzeln bringen. Er erinnert sich an die Zeit vor zwanzig _Jahren, als die Boxes in den Gasthauskellern verstaubt sind und als Industrieschrott eingestampft wurden. Erst langsam landeten die Jukeboxes, oft gezeichnet mit Zigarettenlöchern, durchgebrannten Tasten und kaputten Motoren, auf den Reparaturtischen der Sammler. Neue Verchromungen und Lacklasuren brachten die bis zu 200 Kilo schweren und ein Meter hohen Musikmöbel wieder zum glitzern. Die Jukeboxes von Ewald Kirnstätter spielen das gesamte Repertoire: von Elvis Presley bis hin zu deutschen Schlagern und italienischen Schnulzen. Über vierzig Modelle stehen im Wohnzimmer und im Keller, umgeben von alten US-Reklameschildern, Coca-Cola-Automaten und Schaufensterpuppen im Petticoat.

Schwieriger Handel

Das Klimpern beim Drücken der Taste fasziniert den Sammler. Genauso wie der Augenblick, wenn der Greifer die Platte holt und diese behutsam auf den Plattenteller legt. Gleichzeitig lenkt der Salzburger Sammler aber ein: Das Handeln mit den Jukeboxes sei schwierig, man brauche einen guten Einkaufspreis, um lukrativ zu sein.

Er warnt: Viele Einsteiger würden die hohen Reparatur- und Transportkosten unterschätzen. Aus dem Geschäft mit der Musik werde daher oft rasch ein Nullsummenspiel. "Sie schauen super aus und hören sich gut an", bringt der Wiener Reinhard Pauer seine Faszination auf den Punkt.

Bei ihm überwiegt, wie bei den meisten Sammlern, das Interesse für Technik und Musik. Später einmal sollen seine zwölf Musikboxes aber auch als Altersvorsorge fungieren. "Die gute Ware wird immer seltener und die Gewinnspanne im Laufe der Jahre höher", ist Pauer überzeugt. Die heimische Sammlerszene ist allerdings klein. Das Wiener Dorotheum versteigert nur ein bis zwei Modelle im Jahr. Topzustand ist Voraussetzung. Größere Auswahl bieten Internetauktionen, Sammlermagazine und Messen wie "Rock around the Jukebox" im niederländischen Rosmalen. (Claudia Peintner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.5.2008)