Die Analyse der drei wichtigsten Pässe der Österreicher im Spiel gegen Nigeria erweist sich in zweierlei Hinsicht als aufschlussreich: sowohl betreffs der taktischen Ausrichtung als auch in Bezug auf das aufgebotene Personal. Die Umstellungen von der ersten zur zweiten Hälfte bieten Ansatzpunkte für direkte Vergleiche. Zur Systemfrage: Die erste Stunde des Deutschland-Matches bot Anlass zur Hoffnung, dass Österreich mit dieser Grundformation auch längerfristig ein gefährliches und schwer ausrechenbares Spiel aufzuziehen imstande ist. Die erste Halbzeit gegen Nigeria war diesbezüglich ernüchternd. Kapitän Andreas Ivanschitz wurde von den Nigerianern komplett aus dem Spiel genommen, was sich nicht zuletzt am geringsten Zentralitätswert bei gleichzeitig höchster Fehlpassquote ablesen lässt, die er im Lauf der gesamten Vorbereitung je hatte. Die dadurch fehlenden vertikalen Impulse kompensierten noch am ehesten der einmal mehr überragende Jürgen Säumel und der sehr engagierte Roland Linz, der sich jedoch immer wieder weit zurückfallen lassen musste. Der hohe Zentralitätswert von Rene Aufhauser kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er oftmals den „langen Gang in die Sackgasse“ einleitete. Seine bevorzugten Abnehmer, Christian Fuchs und Joachim Standfest, erwiesen sich als überforderte Endstationen, die die in dem 3-5-2-System angelegte Beweglichkeit an den Flanken kaum zur Entlastung des manngedeckten Spielgestalters nutzen konnten. Deutlich schlüssiger und organisierter erwies sich das Spiel der Österreicher in der letzten halben Stunde. Die Umstellung auf 4-4-2 stabilisierte die bis dahin ungewohnt anfällige Defensive und ermöglichte es vor allem Emanuel Pogatetz und wiederum Säumel, Vertikalität zu erzeugen.

Vorn erwiesen sich nach ihren Einwechslungen Ivica Vastic, Ümit Korkmaz und Erwin Hoffer, im Verbund mit Säumel, nicht nur als dreiecksfähig, sondern auch – vor allem im Vergleich zu Ivanschitz oder Fuchs – als äußerst zuspielsicher.

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
 1. Aufhauser–Standfest	9
 1. Pogatetz–Säumel	9
 3. Prödl–Standfest	8
 4. Pogatetz–Aufhauser	7
 4. Stranzl–Pogatetz	7
 6. Standfest–Aufhauser	6
 6. Aufhauser–Säumel	6
 6. Fuchs–Linz	        6
 6. Hoffer–Vastic	6
 6. Säumel–Linz   	6
AM ÖFTESTEN ANGESPIELT
 1. Aufhauser	46
 2. Linz	42
 3. Säumel	35
 4. Standfest	31
 5. Hoffer	26
 5. Kienast	26
 7. Pogatetz	23
 8. Prödl	22
 9. Ivanschitz	20
10. Fuchs	17
11. Stranzl	14
12. Korkmaz	13
13. Vastic	12

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

 1. Aufhauser	45
 2. Standfest	37
 3. Säumel	36
 4. Pogatetz	31
 5. Prödl	25
 6. Stranzl	24
 6. Linz	24
 8. Fuchs	22
 9. Macho	20
10. Hoffer	18
11. Ivanschitz	17
12. Vastic	15
13. Kienast	12
14. Korkmaz	 9

SCHLÜSSELSPIELER*
 1. Aufhauser	91
 2. Säumel	71
 3. Standfest	68
 4. Linz	66
 5. Pogatetz	54
 6. Prödl	47
 7. Hoffer	44
 8. Fuchs	39
 9. Stranzl	38
 9. Kienast	38
11. Ivanschitz	37
12. Macho	27
12. Vastic	27  
14. Korkmaz	22
*Gegebene und angenommene Pässe ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
 1. Säumel	91,67 (33 von 36)
 1. Stranzl	91,67 (22 von 24)
 3. Standfest	89,19 (33 von 37)
 4. Prödl	88,00 (22 von 25)
 5. Leitgeb	87,50   (7 von 8)
 6. Pogatetz	83,87 (26 von 31)
 7. Aufhauser	82,22 (37 von 45)
 8. Vastic	80,00 (12 von 15)
 9. Hoffer	77,78 (14 von 18)
 9. Korkmaz	77,78   (7 von 9)
11. Linz	70,83 (17 von 24)
12. Fuchs	68,18 (15 von 22)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

 1. Aufhauser	13,26
 2. Standfest	11,83
 2. Säumel	11,83
 4. Pogatetz	 9,32
 5. Stranzl	 7,89
 5. Prödl	 7,89
 7. Macho	 6,45
 8. Linz	 6,09
 9. Fuchs	 5,38
10. Hoffer	 5,02

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen der jeweils angekommenen und abgegebenen Pässe.

Die Analytiker

FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet die Länderspiele des österreichischen Nationalteams exklusiv für den STANDARD.

Mannschaft: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Christian Gulas, Max Ruhri und Helmut Neundlinger.