Und die Schlafmaske bleibt dort, wo sie hingehört: allerhöchstens in den Flieger. Aber auch dafür gibt es Whiskey oder Melatonin.

Foto: Der Standard

+++Pro
Von Sascha Aumüller

Den "Fluch der Karibik, Teil zwei" unter Einsatz zweier Augenklappen nicht zum zweiten Mal sehen zu müssen ist sicher ein Argument. Allerdings dient die Videosedierung auf dem Flug von Taiwan nach Indonesien auch nicht der Belustigung an sich. Ein einzelner Taiwanese, der es schafft, selbst furztrockene Tuc-Kekse zu schlürfen, wäre vielleicht noch mit unterstütztem, hysterischem Lachen (Danke "Mr. Bean, Episode 23") zu übertönen gewesen. Der andere aber, der sich auf Balis sanftes Läuten der Glöckchen in den Tempeln mit mantrischer Betätigung der Rotzglocke vorbereitet hatte, musste auch optisch in Quarantäne geschickt werden. In Zeiten verschärfter Sicherheitsbestimmungen, zu denen rechtschaffene Reisende den Krieg gegen den Terror im Airbus nur mehr mit aufklappbaren Plastikzahnbürsten führen können, hilft typisch Österreichisches: Wegschauen. Großzügig bedeckte Augenpartien sind ein Segen - nicht nur für Luftpiraten -, gemeinsam mit Stöpseln in den Ohren sind sie nachgerade ein Garant für die Völkerverständigung.

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Contra---
Von Mia Eidlhuber

Die Freundin aus Berlin konnte nie ohne, und selbst mit fiel es ihr schwer. Ohropax durften auch nie fehlen. Trotz allem blieb es der besseren Hälfte auf der anderen Seite strikt versagt, im Bett zu lesen, nicht einmal mit lichtschwacher Stirnlampe. Nach den mühsam gefundenen Stunden Schlaf, verriet der Blick in den Spiegel immer öfter, was sie ohnehin ahnte: So konnte es nicht weitergehen. Zu viel Stress, zu viel Druck. Ihr Unterkiefer arbeitete auch nachts noch weiter, da half auch die maßgeschneiderte Aufbissschiene aus durchsichtigem Plastik wenig. Sie war gewappnet für einen Schlaf, der nie kommen wollte: Maske, Stöpsel, Schiene. Ein unwürdiges, aber verbissenes Ritual. Im Hauptstadtbüro, erzählte die Freundin, saßen nur Autisten. Karrieregeile Autisten mit ausgefuchster Ellbogentechnik. Es wurde Zeit, etwas zu tun. Die Frau wechselte den Verlag! Ganz locker, so, wie sich ihr Kiefer heute wieder anfühlt. Und die Schlafmaske bleibt dort, wo sie hingehört: allerhöchstens in den Flieger. Aber auch dafür gibt es Whiskey oder Melatonin. (Der Standard/rondo/30/05/2008)