Greenpeaceaktionist bei einer Aktion in der Muthgasse: Die OMV soll sich bewusst sein, dass für jede Tankfüllung mit OMV-Diesel zehn Quadratmeter Urwald zerstört werden. Wenn sie es mit ihrer Unternehmensverantwortung ernst meinen, müssen sie alles dafür tun, dass keine weiteren Palmöl- und Sojaplantagen auf Urwaldboden errichtet werden

Foto: Greenpeace / Kurt Prinz

Wien – Heute früh besetzten rund 25 Greenpeace-Aktivisten in Orang-Utan-Kostümen eine OMV-Tankstelle in der Wiener Muthgasse. Mit den Plakaten "Keinen Urwald in den Tank" wollten die Greenpeace-Aktivisten darauf aufmerksam machen, dass OMV-Agrodiesel für die Zerstörung von Urwald in Südamerika und Südostasien mitverantwortlich ist. Für die Errichtung von Plantagen für Palm- oder Sojaöl muss kostbarer Urwald gerodet werden. Greenpeace fordert von der OMV bei Agrosprit ein Bekenntnis zu hundert Prozent Rohstoffen aus Mitteleuropa. Im Verlaufe der Aktion haben die Umweltschützer ein Gesprächsangebot von der OMV bekommen. "Wir sind allerdings der falsche Ansprechprechpartner", erklärte die Presseabteilung der OMV. "Wir kaufen von Lieferanten, die uns garantieren, dass Beimischungen nur aus europäischer Produktion verwendet werden. Pamlöl etwa, wird überhaupt nicht verwendet. Wir haben Verträge und verlassen uns darauf."

In den Dieselproben von OMV-Tankstellen haben wir einen Anteil von fünfzehn Prozent Sojaöl gefunden, bei einer Tankstelle sogar fünf Prozent Palmöl. Diese Rohstoffe stammen aus Südamerika und Südostasien. "Wer bei der OMV Agrodiesel volltankt, zerstört damit bis zu zehn Quadratmeter Urwald", erklärte Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof. Wir fordern von OMV-Chef Ruttenstorfer eine Garantie, dass der gesamte OMV-Agrosprit in Zukunft frei von Rohstoffen ist, die Urwaldzerstörung verursachen", so Westerhof.

Die Umweltorganisation Greenpeace stellt deshalb drei zentrale Forderungen and die OMV und ihre Lieferanten: Die OMV soll garantieren, dass bei der Produktion von Agrotreibstoffen in Zukunft

  • 1. keine tropischen Pflanzenöle wie Palm-, Soja- oder Jatrophaöl als Rohstoff für Agrodiesel verwendet werden.
  • 2. keine Pflanzen von ehemaligen Urwald- und Savannenflächen als Rohstoff für die Herstellung von Agro-Ethanol verwendet werden.
  • 3. keine Rohstoffe aus genetisch manipulierten Pflanzen verwendet werden.

    Palmölimporte haben sich verdreifacht

    Verschärft wird das Problem der Urwaldzerstörung durch die heimische Agrotreibstoff-Politik von Umweltminister Josef Pröll, der an einer Quote von zehn Prozent Beimischung bis zum Jahr 2010 festhält. Die dadurch stark gestiegene Nachfrage nach Rapsöl als Rohstoff für Agrodiesel hat die Verfügbarkeit von Rapsöl als Ausgangsmaterial in der Lebensmittelproduktion drastisch verringert. Die so entstandene Lücke im Lebensmittel-, aber auch im Kosmetikbereich, wird durch Palmöl gefüllt. Die Palmölimporte nach Österreich haben sich seit 2003 verdreifacht, und auch die Importe von Sojaöl nehmen stark zu.

    Agrotreibstoff-Beimischung streichen

    "Hier ist ein Kurswechsel in der Politik dringend notwendig", fordert Westerhof. "Umweltminister Pröll soll endlich die für das Jahr 2010 angestrebten zehn Prozent Agrotreibstoff-Beimischung streichen. Dieses Ziel kann nur durch Rohstoffimporte erreicht werden. Dabei sind die jetzigen Einfuhren bei einer Quote von 4,3 Prozent Agrotreibstoff-Beimischung schon problematisch genug. Wer das Klima schützen will, muss alles tun, um die Urwälder zu schützen. Nicht nur die letzten wild lebenden Orang-Utans werden es uns danken, erklärt Westerhof. (red)