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Die Starelf der Europameistermannschaft 1988: Hans Van Breukelen, Adrianus A Van Tiggelen, Ronald Koeman, Hubertus Van Aerle, Gerald Mervin Vanenburg, Arnoldus J Mühren, Ruud Gullit, Marco van Basten, Erwin Koeman, Frank Rijkaard, Jan Wouters

Foto:AP/Carlo Fumagalli
Gastgeber Deutschland als Weltmeister, Finalgegner Holland aber die hochgelobte Mannschaft des Turniers – das war,was vor allem in Holland von der Weltmeisterschaft 1974 in Erinnerung blieb. Sie war betont schmerzlich für die Holländer, deren Verhältnis zum großen Nachbarn seit dem Weltkrieg ohnehin nicht unbelastet war.

1988 fand das nächste große Turnier in Deutschland statt, diesmal die EM. Wieder waren die Holländer qualifiziert; wieder wurden sie von Zehntausenden Landsleuten begleitet; und nochmals sass der Stratege von 1974, Rinus Michels, genannt «de Generaal», auf der Bank. Sein Aufgebot war wieder mal von zahlreichen Stars geprägt.Was aber anders war als sonst: Michels gelang es, sie zu einer Einheit zu formen – mit Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten als spielerische Attraktionen, aber auch mannschaftsdienlichen Arbeitern, für die Jan Wouters im defensiven Mittelfeld stand.

HATTRICK UND GLÜCKSTOR. Durch die Vorrunde ging «Oranje» allerdings mühsam. Das Startspiel gegen die Sowjetunion ging, noch ohne Van Basten, 0:1 verloren. Dann glückte Van Basten beim 3:1 gegen England ein brillanter Hattrick; und den gegen Irland nötigen Sieg im letzten Gruppenmatch erzwangen die Holländer durch Wim Kiefts Glückstor in der 82. Minute. Damit war erreicht, was sie als Erstes wollten: die Revanche gegen die Deutschen – am 21. Juni im Hamburger Volkspark. Nach zwei umstrittenen Elfmetern, verwandelt von Lothar Matthäus und Ronald Koeman, stand es bis kurz vor Schluss 1:1. Es drohte eine Verlängerung, aber die vermied Van Basten, der im epischen Duell mit Jürgen Kohler schon den Elfmeter «herausgeholt» hatte.

In der 88. Minute düpierte Hollands Stürmerstar Deutschlands Abwehrrecken – 2:1. Die Euphorie in Holland war riesig; Millionen feierten auf den Strassen. Erst jetzt war die Enttäuschung von 1974 getilgt, und selbst Erinnerungen an die deutsche Besatzung im Krieg wurden da und dort aufgefrischt. Ronald Koeman leistete sich gar den Ausrutscher, sich mit dem Trikot, das er vom Deutschen Olaf Thon eingetauscht hatte, symbolisch seinen Hintern abzuwischen. Man gönnte den Holländern den Sieg, aber es schien ihnen doch an Respekt für die Deutschen zu mangeln.

VAN BASTENS TOR. Komplett war «Oranjes» Fussballglück vier Tage später, als am Ort der Finalniederlage von 1974, im Münchner Olympiastadion, das Endspiel gegen die Sowjetunion 2:0 gewonnen wurde. Van Bastens einmaliger Volleyschuss aus spitzestem Winkel war abschliessender Höhepunkt. (HANS JÖRG SCHIFFERL*, DER STANDARD Printausgabe 02.05.2008)

1988 in Deutschland

  • Final:
    Holland–Sowjetunion 2:0

  • Halbfinals:
    Deutschland–Holland 1:2
    Sowjetunion– Italien 2:0

    Österreich und Schweiz in der Qualifikation gescheitert