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Eine der sonderbarsten Möglichkeiten, eine Schreibkrise zu überwinden, zeigte Dominik Graf im Historiendrama "Das Gelübde" Freitagabend auf Arte. Der Dichter Clemens Brentano (Misel Maticevic) reist 1818 in Verzweiflung und Resignation ob seiner versiegten Kreativkräfte ins Münsterland, um die "wundertätige Nonne" Anna Katharina Emmerick aufzusuchen. Anna blutet aus Wunden des gekreuzigten Jesus. Selbst die Wissenschaft muss schließlich eingestehen, dass keine Scharlatanerie im Spiel ist. Brentano ist von der Mystik besessen. Graf versteht die Begegnung als Symbol des Umbruchs. Die aufgeklärten Städter verhöhnen die rückständige Landbevölkerung. Die gibt sich ihrem Aberglauben ohnmächtig hin. Die bedächtige, behutsame Erzählung bricht Graf mit überraschenden Schnitten. Ein Fernsehereignis. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 31.5./1.6.2008)