Wien - Österreichs Gasnetz wird in den kommenden Jahren um rund 450 Mio. Euro ausgebaut. Insgesamt werden 400 Kilometer Leitungen in Niederösterreich und der Steiermark, ausgehend von der Erdgasdrehscheibe Baumgarten errichtet. Der Startschuss für das Projekt wurde nun mit der Unterzeichnung der Verträge gegeben, teilte die Gasnetz-Managementgesellschaft AGGM, heute, Montag, mit.

Die Transportkapazität wird dadurch um rund 40 Prozent erhöht, sagte Helmut Wittmann, Leiter der Abteilung für Netzzugang und Kapazitäten in der OMV-Tochter AGGM, zur APA. Die Unternehmen könnten nun mit der Beschaffung beginnen. Der Baubeginn wird für das Frühjahr 2009 erwartet. Die Fertigstellung der Gasleitung Richtung Süden bis Graz wird für 2011 prognostiziert, für jene Richtung Westen nach Oberösterreich für 2012.

Durchgeführt wird die Erweiterung von der OMV Gas GmbH, der EVN Netz GmbH und der Energie-Steiermark-Tochter Gasnetz Steiermark GmbH. Auf die OMV entfallen dabei rund 100 Mio. Euro, auf die Energie Steiermark etwas über 100 Mio. Euro und auf die EVN 235 Mio. Euro.

Optimierungen

Gründe für die Erhöhung der Gastransportkapazitäten sind neben geplanten neuen Kraftwerken etwa im steirischen Mellach auch die Sicherstellung der Versorgungssicherheit sowie die Stärkung des Wettbewerbs, betonte Wittmann. Auch Industrie und Gewerbe könnten von den verbesserten Transportkapazitäten profitieren. Die Steigerungen der Gasmengen seien bisher durch Optimierungen der Netznutzung aufgefangen worden. Der österreichische Gasmarkt ist seit 1. Oktober 2002 liberalisiert. Mit dem Netzausbau würden wesentlich Transportengpässe in Niederösterreich und der Steiermark behoben, der steigende Transportbedarf damit auch für die Zukunft nachhaltig abgesichert, so AGGM-Vorstand Thomas Heissenberger in der heutigen Pressemitteilung.

Die Gasleitung Richtung Süden wird über den Semmering und Bruck an der Mur bis in den Raum Graz führen und trifft dort auf eine bereits bestehende größere Leitung. Die Westleitung führt über Tulln bis an die Grenze nach Oberösterreich bei Amstetten. Die neuen Leitungen werden in der Nähe von bereits bestehenden Leitungen gebaut, können aber mehr Gas transportieren. Angedacht ist außerdem ein weiterer Ausbau der Leitung Richtung Kärnten.

Der überregionale Netzausbau könne nun nach einer mehrjährigen Planungsphase, bei der verschiedene Varianten untersucht worden seien, nach dem Abschluss der multilateralen Verträgen sichergestellt werden, so die AGGM in einer Pressemitteilung. Sichergestellt sei damit beispielsweise von der Netzseite her die Versorgung des vom Verbund geplanten Gaskraftwerks im steirischen Mellach.

Ausbau in den Süden

Die AGGM (Austrian Gas Grid Management), eine Tochter der OMV Gas GmbH, ist als Regelzonenführer für die Regelzone Ost verantwortlich für die Gasflusssteuerung und Aufrechterhaltung der Netzstabilität in den Gasfernleitungen für die Bundesländer Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien. Tirol und Vorarlberg sind eigene Regelzonen. Laut Gaswirtschaftsgesetz muss die AGGM mindestens einmal jährlich eine Langfrist-Planung für die Regelzone Ost zu erstellen, die von der Energie-Control Kommission (ECK) genehmigt werden muss.

Energieregulator Walter Boltz erklärte in einer Pressemitteilung zur vertraglichen Umsetzung der von Energie-Control Kommission (ECK) genehmigten Ausbauprojekte der Gasnetze in Niederösterreich und der Steiermark, dass der Ausbau der Fernleitungen in den Süden Österreichs ein wichtiger Schritt nicht nur für die Versorgungssicherheit im Gasbereich sei. Der Ausbau ermögliche auch die langfristige Sicherung der Stromversorgung in Österreich. Vor allem neue Gaskraftwerke könnten durch den Netzausbau den zukünftigen Strombedarf ab 2011 absichern. (APA)