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Ewald Grünzweil

Foto: APA
Sein Arbeitstag sieht normalerweise folgendermaßen aus: aufstehen um halb sechs, spätestens sechs - schließlich müssen die Kühe versorgt werden. Der Arbeitstag endet dann oft erst um zehn Uhr am Abend.

Auch derzeit ist das Programm von Ewald Grünzweil lang und vor allem dicht - allerdings nicht mit Aufgaben auf dem Bauernhof. Als Obmann der Interessengesellschaft Rinder- und Grünlandbauern (IG Milch) ist er im Land unterwegs, hält Vorträge in Wirtshäusern und vor Supermärkten. Die "Zerstörungskraft von Dumpingpreis-Aktionen der Handelsketten" will er aufzeigen, mit dem Ziel, "faire Erzeugerpreise für Milch" durchzusetzen, sagt er.

Dafür, dass er zehn Cent mehr für die Milch fordert, wurde ihm und seiner Organisation bereits das Eigenschaftswort rebellisch vorangestellt. Rebellisch auch deshalb, weil die bäuerlichen Interessenvertretungen - Landwirtschaftskammern und Bauernbund - sich bisher eher zurückgehalten hatten, da ja in Deutschland der Literpreis noch niedriger ist als in Österreich und die IG Milch eine quasi private Interessenvertretung.

Doch nun geht die Rechnung für die IG Milch auf. Immer mehr Bauern machen mit, egal ob sie der Plattform angehören oder nicht. Das Kalkül vieler, die IG Milch werde sich mit der Aktion übernehmen, ist bis jetzt nicht eingetreten.

Der 42-Jährige weiß, wovon er spricht. Als Grünlandbauer in Bad Leonfelden, Oberösterreich, hat er rund 30 Kühe. "Wir müssen davon leben", sagt er. Wir, das sind Frau und zwei fast erwachsene Kinder im Alter von 18 und 16 Jahren, die beide in der Lehre sind (Installateur und Fotografin) und trotzdem Interesse haben, den Hof weiterzuführen. "Aber nur, wenn es auch eine Perspektive gibt", sagt der Vater.

Perspektivenlosigkeit ist es, was ihn an der derzeitigen Situation stört. Das Ausgeliefertsein gegenüber dem Preisdiktat der Handelsketten. Er spricht von einem bäuerlichen Stundenlohn, der je nach Hoflage und -größe zwischen 50 Cent und fünf Euro liegt. "Wie andere Branchen auch wollen wir eine Vollkostenrechnung, die auf unseren Produktionskosten aufsetzt."

Die knapp 6000 IG-Milch-Bauern - von insgesamt 45.000 - hatten schon öfter ein geschicktes Händchen bei Werbung. "A faire Milch" war eine solche, bei der lebensgroße Kuhskulpturen mit rotweißroter Bemalung entstanden. "Faironika" wurden die Kühe getauft; 350 Stück stehen in Filialen von Billa und Spar herum. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.6.2008)