Rio de Janeiro – Die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes hat im April einen neuen Höhepunkt erreicht. Das geht aus Satellitenfotos hervor, die nun vom brasilianischen Raumforschungsinstitut ausgewertet wurden. Demnach sind im April rund 1140 Quadratkilometer Regenwald, das ist rund die vierfache Fläche von Wien, verschwunden, etwa achtmal so viel wie im März.

Allerdings ist ein großer Teil des Regenwalds jeden Monat von Wolken verdeckt; unter den Wolken könnte bereits weiterer Regenwald abgeholzt worden sein. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, wird in Brasilien heuer mehr Regenwald vernichtet werden als im Vorjahr. Das Umweltministerium kündigte an, gegen illegale Rodungen vorzugehen. So solle unter anderem Vieh beschlagnahmt werden, wenn Regenwald für Weiden ohne Erlaubnis abgeholzt wurde. Am meisten Regenwald verschwand im April im Staat Mato Grosso, wo Gouverneur Blairo Maggi das Sagen hat, ein prominenter Sojabauer, der sich immer wieder gegen staatliche Bemühungen um den Schutz des Walds gewandt hat. Die Agrarbosse in den Bundesstaaten Mato Grosso und Pará sind seit Jahren für rund 70 Prozent der gesamten Waldzerstörung verantwortlich. Argument Nahrungskrise

Die weltweite Lebensmittelkrise schwächte dabei auch die Position der Umweltschützer. Ungeniert wie selten zuvor verkündete Gouverneur Maggi nach Bekanntwerden der neuen negativen Zahlen, die Abholzung des Urwalds sei zur Lösung der weltweiten Nahrungsprobleme unvermeidlich. "Man kann unmöglich mehr Lebensmittel produzieren, wenn man nicht neue Flächen besetzt und Bäume abholzt", sagte er.

Hauptverantwortlich für die Regenwaldzerstörung war zuletzt aber die extrem gestiegene Nachfrage nach Fleisch. 500.000 Quadratkilometer, knapp sechsmal die Fläche Österreichs, würden in der Amazonasregion als Weideflächen allein für die Rinderzucht verwendet, schätzt Luis Laranja, Agrarkoordinator der Umweltschutzorganisation WWF Brasil. Die Nahrungskrise könne die Situation für den Amazonasregenwald verschlimmern: "Der Anstieg der Preise und die Lebensmittelknappheit hat die Tendenz der vergangenen zwei oder drei Jahre, als die Regenwaldzerstörung bei uns zurückging, in nur sechs Monaten schnell umgedreht." (AP, dpa)